Gräber bekannter Persönlichkeiten

Ida Wüst (Schauspielerin)
Ida Wüst wurde am 10. Oktober 1884 in Frankfurt / Main geboren. Nach dem Besuch des Lyzeums nahm sie Schauspielunterricht und erhielt bereits im Alter von 16 Jahren ihr erstes Engagement am Stadttheater von Colmar, dem weitere Arbeiten in Bromberg und ab 1904 in Leipzig folgten. 1907 wurde sie Mitglied des Ensembles des Lessing-Theaters in Berlin, wo sie in Hosenrollen und Komödien zur gefragten Darstellerin avancierte.
Über das Theater lernte sie ihren Kollegen und späteren Ehemann Bruno Kastner kennen, mit dem sie ab 1919 Drehbücher schrieb und dessen Ehefrau sie bis 1927 blieb.
Ihre erste große Filmrolle spielte Ida Wüst 1922/23 im vierteiligen Stummfilm „Tragödie der Liebe 1 - 4“, auf den weitere Stummfilmrollen bis zum Ende der 20er-Jahre folgten. Anders als viele ihrer Stummfilmkollegen konnte sie auch im Tonfilm weitere große Erfolge feiern, die ihr den Spitznamen „Die wüste Ida“ einbrachten. Sie blieb aber weiterhin auch dem Theater treu. Ihre Bühnenerfolge
verliehen ihrer Karriere weiteren Auftrieb.
Der 2. Weltkrieg brachte einen Einbruch in ihrer Karriere. Sie spielte im Film und im Theater nur wenige Rollen.
Auf ihren Entnazifizierungsantrag hin wurde Ida Wüst 1949 als entlastet eingestuft. In den 50er-Jahren spielte sie in einigen Filmen rüstige Damen, Großmütter und Intrigantinnen. Auch ans Theater kehrte sie zurück, gehörte aber keinem Ensemble mehr an. Die Mutter der Unterzeichnerin sah sie in dieser Zeit einmal im Kölner Schauspielhaus in der Rolle der „Komischen Alten“.
Ida Wüst stand an der Seite aller großen Stars ihrer Zeit. Sie drehte mit Heinz Rühmann, den Comedian Harmonists, Hans Albers, Peter Lorre, Paul Henckels, Käthe Dorsch, Hans Moser, Hedy Lamarr, Paul Kemp und Theo Lingen.
Wichtige Filme waren u. a. „Die Nacht gehört uns“ (1929), „Man braucht kein Geld“ (1931), „Kleiner Mann - was nun?“ (1933), „Wunschkonzert“ (1940), „Hauptsache glücklich“ (1941), „Eva im Frack“ (1951), „Die süßesten Früchte“ (1954) und „Roter Mohn“ (1956).
Ida Wüst, die in den 30er- und 40er-Jahren in der Seepromenade in Groß Glienicke lebte, starb am 4. Oktober 1958 in Berlin an den Folgen eines Schlaganfalls. Ihre Grabstätte in Groß Glienicke liegt auf dem neuen Teil des Friedhofs, direkt an der Friedhofsmauer als fünftes Grab von links. Ihre Schwester Elisabeth Thalmann, die  1963 verstarb, wurde neben ihr bestattet.

Heinrich Schroth (Schauspieler)
Heinrich August Franz Schroth wurde am 21. März 1871 in Pirmasens geboren. 1890 gab er sein Debüt am fürstlichen Theater von Sigmaringen. 1894 ging er ans Stadttheater Augsburg, 1896 nach Mainz und 1897 an das Königliche Hoftheater
Hannover. Ab 1899 gehörte er sechs Jahre zum Ensemble des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg. Seit 1905 stand er auf verschiedenen Berliner Bühnen.
Während des 1. Weltkrieges trat Heinrich Schroth erstmals als Stummfilmschauspieler hervor. Er spielte während der 20er- und 30er-Jahre in zahlreichen Filmen als Haupt- und als Nebendarsteller mit.
In den 30er-Jahren übernahm er auch Rollen in Propagandafilmen des NS-Regimes. Im August 1944 nahm der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda
Joseph Goebbels ihn in die „Gottbegnadeten-Liste“ der Schauspieler auf. Damit war Heinrich Schroth von einem Kriegseinsatz, auch an der Heimatfont, befreit.
Er spielte u. a. in folgenden Filmen mit: „Der Liebesfilm der Königin“ (1916), „Lebende Buddhas“ (1925), „Atlantik“ (1929), „Berlin - Alexanderplatz“ (1931), „Der Hauptmann von Köpenick“ (1931), „Der Herrscher“ (1937), „Tanz auf dem
Vulkan“ (1938), „Bismarck“ (1940), „Jud Süß“ (1940) und „Großstadtmelodie“ (1943).
Heinrich Schroth hat eine Schauspielerdynastie begründet. Aus seiner ersten Ehe stammt der Schauspieler Heinz Sailer. In zweiter Ehe war er mit der österreichischen Schauspielerin Else Ruttersheim verheiratet, aus welcher der Schauspieler
Carl-Heinz Schroth hervorging. Aus der dritten Ehe mit der deutschen Schauspielerin Käthe Haack stammt die Schauspielerin Hannelore Schroth.
Heinrich Schroth, der bis zu seinem Tod in Groß Glienicke in der Siedlung Wochenend West auf der anderen Seeseite lebte, starb am 13. Januar 1945 in Berlin. Seine Grabstätte liegt vom Eingang des Friedhofs aus in gerader Richtung in der Mitte der ersten Reihe.

Friedrich Schlotterbeck (Schriftsteller)
Albert Friedrich (genannt Frieder) Schlotterbeck wurde am 6. Januar 1909 in Reutlingen als Sohn eines Metallarbeiters geboren. Nach seiner Ausbildung zum Tischler wurde er arbeitslos. Seit 1923 Mitglied des Kommunistischen Jugendverbands Deutschlands wurde er am 1. Mai 1933 verhaftet und zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Ab Mai 1937 wurde er in „Schutzhaft“ genommen. Nach seiner Entlassung aus dem KZ Welzheim im August 1943 arbeitete er mit seinen Eltern, seiner Schwester, seinem Bruder und seiner Verlobten aktiv gegen das Naziregime. Im Mai 1944 wurde die Gruppe an die Gestapo verraten. Friedrich Schlotterbeck gelang als einzigem die Flucht in die Schweiz, sein Bruder konnte zunächst untertauchen, während die
anderen im Juni 1944 verhaftet und am 30. November 1944 im KZ Dachau erschossen wurden. Sein Bruder wurde nach monatelanger Haft und Folter am 19. April 1945 erschossen.
In der Schweiz traf Friedrich Schlotterbeck seine Jugendfreundin Anna von Fischer, geborene Wiedmann (*2. Mai 1902) wieder, die in erster Ehe mit dem KPD-Politiker Robert Leibbrand verheiratet gewesen war. Im Juni 1945 kehrten beide nach Deutschland zurück und lebten zusammen in Stuttgart. Seine Erinnerungen an die Zeit des Nationalsozialismus fasste Friedrich Schlotterbeck in seinem Buch „Je dunkler die Nacht, desto heller leuchten die Sterne“ zusammen.
Er wurde Vorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes in Württemberg und Präsident des Deutschen Roten Kreuzes im damaligen Württemberg-Baden sowie Mitglied der KPD-Landesleitung.
Wegen zunehmender Schwierigkeiten aufgrund seiner kommunistischen Gesinnung übersiedelte er im April 1948 gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, die er 1951 heiratete, in die Sowjetische Besatzungszone. Er wurde Stadtrat für Kultur in
Dresden. Anfang 1951 geriet er unter Spionageverdacht und verlor sein Amt. Grund war der Vorwurf, ein V-Mann der Gestapo gewesen zu sein. Im Februar wurde er aus der SED ausgeschlossen. Die Zentrale Parteikontrollkommission ordnete die
Einstampfung seines Buches an.
Ab April 1951 arbeitete er bei der SDAG Wismut im Erzgebirge als Bergarbeiter.
Am 15. Februar 1953 wurden er und seine Frau verhaftet. U. a. wegen „verbrecherischer Beziehungen zu dem amerikanischen Agenten Noel H. Field“ während ihres Schweizaufenthaltes wurden beide zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Strafe wurde 1954 auf drei Jahre Haft herabgesetzt. Nach ihrer Rehabilitierung 1956 nahm die SED beide wieder als Mitglieder auf.
Friedrich und Anna Schlotterbeck lebten seitdem in Groß Glienicke in der Sacrower Allee  und arbeiteten als Schriftsteller und Hörspielautoren. Gemeinsam schrieben sie u.a. „Die Memoiren der Frau Viktoria“ (1962). Sie waren eng befreundet mit der Schriftstellerin Christa Wolf und deren Mann Gerhard. Zu den bekanntesten Werken Friedrich Schlotterbecks gehört „Im Rosengarten von Sanssouci“ (1968), eine polemische Abrechnung mit der preußischen Geschichte.
Anna Schlotterbeck starb am 24. Juli 1972. Die Grabstätte befindet sich auf dem alten Teil des Friedhofs. Direkt an der Friedhofsmauer zum neuen Teil gelegen, ist es die siebte Grabstätte von rechts.
Friedrich Schlotterbeck starb am 7. April 1979 im Klinikum Berlin-Buch. Er wurde an der Seite seiner Frau beigesetzt. Christa Wolf hielt die Grabrede.

Eva Dittmann-Hachen