Feierhalle

Das kleine neogotische im Westen quer zur Kirche gebaute Backsteingebäude mit dem steilen Satteldach wurde 1903 - 04 nach Plänen des Architekten Ludwig von Thiedemann (1844 - 1908) errichtet. Der Auftraggeber war der damalige Kirchenpatron Otto von Wollank.

Ludwig von Thiedemann arbeitete in Halle / Saale als Universitätsarchitekt und ab der Jahrhundertwende in Berlin und Potsdam. Seine bekanntesten Entwürfe in Potsdam sind: die Pfingstkirche (1894), die Dorfkirche Bornim (1902 - 03) sowie die Oberlinkirche in Potsdam - Babelsberg (1904 - 05).

Früher wurde die Feierhalle als Leichenhalle bezeichnet, weil in dessen  kühlem Keller die Särge mit den Verstorbenen bis zu deren Beerdigung untergebracht waren. Im darüber liegenden Andachtsraum wurden diese dann vor der Trauerfeier aufgebahrt, damit die Angehörigen Abschied von ihnen nehmen konnten. Die Trauerfeier selbst fand bis ca. 1950 in der Regel in der Kirche statt.

Heute finden in der Feierhalle ausschließlich nichtchristliche Trauerfeiern statt.

Über dem Eingang des Gebäudes steht die Inschrift:

Der Tod ist verschlungen in den Sieg. 1. Cor. 15.

Ein großes Blendmaßwerk akzentuiert den Giebel. Grün glasierte Ziegel dienen hier und da, u.a. an den Fensterbänken, als Schmuckelemente.

Das Innere wird dominiert von einem steinernen Altarretabel in Form eines Ädikula-altars mit einem Giebel in Segmentbogenform. Die Blendnische im Zentrum beherbergte ursprünglich das Altarbild „Christus am Kreuz“. Das Ölgemälde ist eine Kopie eines unbekannten Künstlers der Jahrhundertwende nach dem Original des italienischen Barockmalers Guido Reni. Dieser hatte sein Bild „Einsamer Kruzifix“ 1637 - 38 für den Hochaltar der römischen Kirche San Lorenzo in Lucina gemalt.

Der Förderverein der Dorfkirche Groß Glienicke ließ das stark beschädigte Gemälde  2010 von dem heimischen Restaurator Ingo Juffart wiederherstellen. Derzeit hängt das Bild in der Dorfkirche auf der Nordseite unterhalb der Empore. Es soll aber mittelfristig wieder seinen angestammten Platz einnehmen.

Eva Dittmann – Hachen