Zur Sanierung der Friedhofsmauer

Der gesamte alte Friedhof ist von einer Mauer umgeben, die auf einem Fundament aus Feldsteinen gegründet ist. Bis zu seiner Erweiterung nach Westen, die nach 1863 erfolgte, hatte der Friedhof einen nahezu quadratischen Grundriss.

Der älteste Teil der Friedhofsmauer mit einer Länge von 33 m liegt auf der Südseite zwischen der Südostecke der Feierhalle und der Gaststätte an der Glienicker Dorf-straße. 1769 war sie in Auftrag gegeben worden. Vor dieser Zeit war unser Friedhof nur von „Bohlenzäunen“ umgeben, womit nur Holzzäune gemeint sein können.
Gebaut wurde dieses Mauerstück zur Zeit des Klassizismus, der in der 2. Hälfte des 18. Jhs. als Gegenbewegung zum Barock und Rokoko entstanden war und in der
1. Hälfte des 19. Jhs. vom Historismus abgelöst wurde. Verbaut wurden Ziegel im Klosterformat. Die Mauer erhielt eine Abdeckung aus Dachsteinen. Bis zu ihrer Ver-putzung im Jahre 1889 war sie ziegelsichtig. Dieses Mauerstück wird in den nächs-ten Monaten restauriert. Ziegel im Klosterformat werden in der Regel nicht mehr her-gestellt. Ihre Sonderanfertigung ist sehr teuer. Darum werden sie in erster Linie aus alten Bauwerken gewonnen und wiederverwendet.

Das anschließende Mauerstück auf der Südseite bis zum Triftweg hin wurde 2013 von dem Groß Glienicker Steinrestaurator Mathias Angerstein wieder instandgesetzt. Es stammt aus der Zeit nach der Friedhofserweiterung vor 1900 und ist 54 m lang. Dieser Mauerteil besteht aus Mischmauerwerk: Feldstein, Hartbrandziegel (Glindower Gurken oder Ketziner), Ziegel im Klosterformat, Sandstein und Klinkerplatten als Abdeckung. Der alte Schlämmputz, der sich im Laufe der Zeit durch Witterungseinflüsse abgewaschen hatte, wurde bei der Restaurierung wieder aufgetragen. Alle alten Grabplatten, die an der Mauer befestigt gewesen waren, mussten vor der Restaurierung vorübergehend abgenommen werden. Sie wurden mit Abstandhaltern für eine bessere Luftzirkulation und zur Vermeidung von Feuchtestau wieder angebracht. Ebenso musste ein durch Granatdurchschuss fehlendes Stück im oberen Mauerbereich ergänzt werden.

Das Mauerstück auf der Westseite entlang des Triftwegs wird nach 1900 datiert. Auch dieser Teil der Mauer besteht aus Mischmauerwerk: Feldstein, Hartbrandziegel (Glindower Gurken oder Ketziner), Ziegel im Reichsformat und Klinkerplatten als Abdeckung. Eine auf dem Gelände des Grabgartens Günther und jetzigen Rosengartens gewachsene große Eiche sorgte mit zunehmendem Wurzeldruck für eine Verformung der Wand und Risse im Mauerwerk. Herr Angerstein hat bei seiner sorgfältigen Restaurierung im Jahr 2012 den Schlämmputz wieder aufgetragen. Auch hier wurden alte Grabplatten mit Abstandhaltern versehen.

Der östliche Teil der Friedhofsmauer, der unmittelbar hinter der Gaststätte verläuft, wurde 1769 errichtet und in der 2. Hälfte des 19. Jhs. erneuert. Dieses Teilstück konnte bisher noch nicht restauriert werden.

Das den alten Friedhof im Norden abgrenzende Mauerstück stammt wohl auf den ersten Metern von 1769. Nach der Friedhofserweiterung vor 1900 wurde es nach Westen hin bis zum Triftweg verlängert. Auch dieses Teilstück wurde noch nicht restauriert.

Den neuen Teil des Friedhofs erwarb die Kirchengemeinde 1947 von einem Groß Glienicker Bauern, um dort Flüchtlinge und Kriegstote bestatten zu können.

Zentren der Ziegelherstellung in der Region waren Glindow, Ketzin und Zehdenick, wobei der letztgenannte Ort vor allem die Großbaustellen in Berlin belieferte. Aber auch in Groß Glienicke gab es auf dem Gutshofgelände eine Ziegelei, die später am Karpfenteich an der verlängerten Seepromenade / Ecke Braumannweg angesiedelt wurde. Der Teich diente als Materialentnahmestelle. Die „Märkische Ziegel GmbH“ wurde um 1923 aufgelöst.

Eva Dittmann-Hachen


Glindower Gurken restauriert Juli 2013

Kein Druckfehler, nicht serviert oder konserviert, sondern restauriert. Ja, man kann auch Gurken restaurieren, wenn man Mathias Angerstein heißt und wenn die Gurken „Glindower Gurken“ sind. Ich habe gelernt: das sind hart gebrannte Ziegelsteine, die vor allem im 19. Jahrhundert verwendet wurden. Bei der Verlängerung unserer Friedhofsmauer um 1900 kamen sie zum Einsatz. Jetzt ist der zweite Bauabschnitt der Sanierung unserer Friedhofsmauer abgeschlossen worden. Es handelt sich um eine Strecke von 54 m, die von der südwestlichen Ecke des Friedhofs bis zur Feierhalle reicht. Der an die Feierhalle anschließende 17 m lange Mauerabschnitt von 1769 ist noch mit dem alten „Klosterformat“ gemauert, die folgenden 37 m dann mit eben den Glindower Gurken. Herr Angerstein hat in viermonatiger Arbeit das mürbe Fugenmaterial entfernt, Steine ausgetauscht, die Abdeckung erneuert und den Mauerabschnitt mit einem Kalkschlämmputz versehen. Eine Augenweide. Schon höre ich die Frage: Und wann geht’s weiter?

Bernhard Schmidt


 

Seit Mitte Juli 2012 sanieren wir unsere Friedhofsmauer. Der Groß Glienicker Restaurator und Stuckateur Matthias Angerstein hat sich mit fünf Kollegen an die Arbeit gemacht und zunächst den westlichen Mauerabschnitt (am Triftweg) in Angriff genommen. Hier sind der Sockel in­stand zu setzen, Ziegelsteine auszutauschen, das Mauerwerk zu reparieren und neu zu verfugen sowie die Mauerkrone zu erneuern. Außerdem muss die Mauer in Höhe der Grabstätte Günter gegen die wachsende Eiche stabilisiert werden.

...Erste Ergebnisse am westlichen
...Mauerabschnitt

Finanziert wird dieser 1. Bauabschnitt (ca. 20.000 Euro) aus der Friedhofskasse und mit Hilfe einer „Ruherechtsentschädigung“, die wir für die Unterhaltung der Soldatengräber auf unserem Friedhof vom Innenministerium des Landes Brandenburg erhalten haben.

Wir freuen uns, dass die überfällige Sanierung der Friedhofsmauer nun endlich in Angriff ge­nommen werden kann. Dafür bitten wir unsere Friedhofsbesucher und insbesondere diejenigen, die Gräber an der westlichen Friedhofsmauer haben, um Nachsicht für womöglich vorkommende vorübergehende Beeinträchtigungen.

Im Namen des Gemeindekirchenrates Pfarrer Dr. Bernhard Schmidt