Das Kolumbarium

Beim Betreten unseres Friedhofes erblickt man rechter Hand einen kleinen neogotischen Sandsteinbau mit seitlich jeweils einem Maßwerkfenster und mit einem  gusseisernen Portal in der Eingangsfront. Seitliche Säulenpaare leiten über in einen Wimperg mit Maßwerkschmuck, der von Krabben gerahmt und von einer Kreuzblume abgeschlossen wird. Ein Blattfries betont den Übergang vom Baukörper zum steilen Satteldach. Die Eingangsfront wird bekrönt von einem großen Kreuz auf dem Dachfirst. Die fensterlose Rückfront zeigt Spuren von Maschinengewehreinschüssen als Folge der letzten Kampfhandlungen in Groß Glienicke im April 1945. Das Gebäude wird von vier Eckpfeilern akzentuiert, die jeweils von einer Fiale bekrönt werden.

1900 für die Familie Schwartze erbaut, diente es bis nach 1917 als deren Gedächtnismausoleum. Louise Wollank (1841 - 1917), die Mutter des letzten Patrons unserer Dorfkirche, des Agrarwirts Otto von Wollank (gest. 1929), der wegen seiner agrarökonomischen und sozialen Leistungen von Kaiser Wilhelm II. um 1916 geadelt wurde, war früh verwitwet und heiratete in zweiter Ehe den Gutsbesitzer und Premierleutnant Alwin Schwartze (1843 - 1900). Mittlerweile ist die Familie Schwartze ausgestorben.

2004 wurde das Mausoleum im Inneren zu einem Kolumbarium (lat. für Taubenschlag) umgebaut. Drei große Betonplatten mit den Namen der Mutter und deren zweitem Ehemann sowie dessen Schwester Marguerite von Kranach, geb. Schwartze, die ursprünglich im Boden des Gedächtnismausoleums eingelassen waren, wurden auf der rechten Seite neben dem Gebäude in den Erdboden einbetoniert.

Das erste und bisher einzige Kolumbarium in Brandenburg beherbergt in zwei Seitenblöcken und einem Mittelblock insgesamt 108 Einzel- und Doppelurnenfächer. Die Verschlussplatten sind aus rotem indischem Granit gefertigt. Mittlerweile stehen nur noch wenige freie Fächer zur Verfügung.

Zum Altar aus rotem Sandstein an der Stirnseite führen zwei Stufen. Der Untersatz zeigt ein Osterlamm im Flachrelief, das von zwei Säulen flankiert ist. Über einer schmalen Mensa erhebt sich das Mosaikbild der Beweinung Christi. Auffallend sind die vielen Goldelemente im Nimbus und im Abendhimmel. Links unten befindet sich die Signatur „Puhl & Wagner - Rixdorf“. Leider weist das qualitätvolle Mosaik zwei Fehlstellen aus. Das Altarbild ist eingefasst von zwei Pfeilern und einem Spitzbogen, die jeweils von Fialen bekrönt werden.

Eva Dittmann-Hachen