Ruhen unter der alten Eiche - der Rosengarten im ehemaligen Grabgarten Günther

Der Friedhof der evangelischen Kirchengemeinde an der Dorfkirche in Groß Glienicke war im 19. Jh. zu klein geworden. Er wurde deshalb nach Westen hin erweitert, wovon die Friedhofsmauern Zeugnis geben. Damals wurde es üblich, dass die großen Bauernfamilien des Ortes sogenannte Grabgärten für ihre verstorbenen Angehörigen anlegten. Diese sollten durch Größe, Materialwahl und künstlerische Gestaltung ihren sozialen Status widerspiegeln. Zu nennen sind die Bauernfamilien Albrecht, Bartel, Günther und Weber. Der Bauerngutsbesitzer Günther hatte sich für seinen Grabgarten einen repräsentativen Standort am Ende der Linden­allee direkt an der Westmauer in der Sichtachse zum Turmeingang der Dorfkirche anlegen lassen. Der letzte männliche Nachkomme Helmut Günther verstarb 1983 kinderlos.

2011 kam Herrn Radtke, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates und gebürtiger Groß Glienicker, der Gedanke, den alten Grabgarten Günther mit seiner besonderen Lage und der ältesten Eiche des Dorfes als Bestandteil des denkmalgeschützten Friedhofsensembles zu erhalten und einer neuen Nutzung zuzuführen.

Sein Vorschlag wurde vom Gemeindekirchenrat positiv aufgenommen. So entstand mit Hilfe des Bestattungsinstituts Schellhase das Konzept einer Urnengemeinschaftsgrabstätte. Der den Grabgarten Günther begrenzende schmiedeeiserne Zaun wurde restauriert. Der Grabstein von Helmut Günther und seiner Ehefrau Johanna wurde überarbeitet und an seinem angestammten Platz rechts neben der alten Eiche wieder aufgestellt. Ein Weg aus Granitpflastersteinen führt in geschwungener Linie zu einem hohen Gedenkstein aus schwarzem Granit links neben der Eiche, der den Bibelvers „Jesus Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben.“ (Johannes 14,19) trägt. Kletterrosen werden den Stein umranken. Es wurden Strauchrosen gepflanzt, um die jeweils mehrere Einzelurnenplätze gruppiert sind. Granittafeln auf allen Einzelurnenplätzen erhalten die jeweiligen Namen und Lebensdaten der Verstorbenen. Auf der Rasenfläche der Grabstätte besteht Platz für 49 Beisetzungen, vier sind bereits erfolgt. Die Gebühr für eine Ruhestätte beträgt 900 Euro. Darin ist auch der Pflegesatz während der 20jährigen Ruhezeit enthalten.

Die Segnung des Grabgartens Günther findet am Dienstag, den 25.6.2013 um 11.00 Uhr statt. Angehörige und Interessierte sind herzlich dazu eingeladen.

Aufgrund der großen Nachfrage erwägt der Gemeindekirchenrat, das Konzept auf den Grabgarten Weber zu übertragen. Damit würde ein weiteres Stück unserer Friedhofsgeschichte erhalten und gewürdigt werden.

Nachdem das ehemalige Mausoleum Schwartze 2004 als einziges Kolumbarium in Brandenburg in Nutzung genommen worden ist, ist nun mit dem Grabgarten Günther durch seine Umwandlung in eine Urnengemeinschaftsgrabstätte erneut ein Stück Friedhofsgeschichte in Brandenburg geschrieben worden.

Eva Dittmann-Hachen und Burkhard Radtke