Archiv 2010


Weihnachten - Adventsfeier Martinsumzug - Gemeindeausflug - Neues zur KirchenrestaurierungThementag Südafrika - Erntedank/Brunchgottesdienst - Familienfreizeit - Gemeindefest (Fotos) - Gemeindefest (Artikel) - Kindertag Kleiderspende - Restaurierung der Taufe - Leben in Südafrika - Konfirmandenfahrt - Eulen in der Kirche - Uferstreit - Vikar in der Gemeinde - Weltgebetstag - Autobahnkirche - Dankesfahrt für die Ehrenamtlichen - Zum neuen Jahr


Dezember

Weihnachten am Groß Glienicker See

von Pfarrer Dr. Bernhard Schmidt

Zu Weihnachten werden Sie wieder alle in die Kirche kommen. Schön, wir freuen uns darauf. Aber ich habe mich auch schon oft gefragt, woran es liegt, dass an einem Tag genauso viele Menschen in die Kirche kommen, wie sonst in einem ganzen Vierteljahr? Was suchen Sie?
Sie suchen Weihnachtsstimmung in solchen Liedern wie „Ihr Kinderlein kommet“, „Stille Nacht, heilige Nacht“ oder „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich“? Sie wollen unseren Baum anschauen und die Krippe, in der die armen Hirten und die reichen Könige bei der Anbetung des Christkindes zusammentreffen? Sie wollen die Weihnachtsgeschichte hören, die von der Geburt des Erlösers im ärmlichen Stall von Bethlehem und von der Engelsvision der Hirten auf dem Feld erzählt, und den Engelschor: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens!“ (Im lateinischen Text heißt es übrigens „bei den Menschen, die guten Will­­ens sind.“)? Und Sie wollen immer wieder dieselbe Weihnachtsbotschaft hören: Gott kommt in die Welt und macht sich ganz klein. Er nimmt sich zurück, um die Menschen zu erfreuen, zu beglücken, zu erlösen. Er macht sich klein, um die Menschen groß zu machen. Auch wenn Sie nicht an Gott glauben, werden Sie zustimmen, dass – obwohl in der Welt oft genug das Recht des Stärkeren herrscht – nur dieses Prinzip zum Frieden führt und zum Heil, weshalb der, der es bringt, auch der Heiland heißt. Aber wie bringt er es? Nicht anders als durch sein Vorleben und sein Vorbild.
Wenn wir nun in unserem Groß Glienicker „Uferstreit“ Frieden wollen, dann wird es nur so gehen, dass sich jede Seite zurücknimmt und der anderen entgegenkommt, und dass jede Seite versucht, einmal die Position der anderen einzunehmen. Die Mehrheit unserer Ortsbewohner, die den freien Uferweg wollen, stellen sich bitte vor, sie wären Eigentümer eines Seegrundstücks und hätten dafür nicht wenig Geld bezahlt. Die Eigentümer der Seegrundstücke stellen sich bitte vor, sie wohnten zur Miete in einer Wohnsiedlung und würden am Sonntagnachmittag gern mit ihrem Besuch den Groß Glienicker See umrunden wollen. Und die Damen und Herren der Potsdamer Verwaltung stellen sich bitte vor, ihnen würde bei einem rechtmäßig erworbenen Eigentum mit Enteignung gedroht.
Nur wenn sich keine Seite übervorteilt fühlt, kann es zu einer Einigung und zum Frieden im „Uferstreit“ kommen. Allerdings wird dafür Geduld benötigt, die alle Seiten aufbringen müssen, und Verlässlichkeit. Ein gegebenes Wort muss gelten. Aber die Tatsache, dass unser Laternenumzug beim Martinsfest wieder über den Uferweg zwischen Badewiese und Begegnungshaus führen konnte, betrachte ich als ein richtungsweisendes und hoffnungsvolles Zeichen. Danke Herr Professor D.! Das war ein erstes solches Entgegen-Kommen.
Ein älterer Kollege erzählte mir einmal von einem Grundstückskauf nach seiner Emeritierung. Es gab harte Verhandlungen, dann trafen sich die Kontrahenten und legten ihre Vorschläge auf den Tisch. Eine Summe x stand im Raum. Schließlich sagte er, der Käufer: „Weniger kann ich aber nicht bezahlen.“ Und der Verkäufer sagte: „Und mehr kann ich wirklich nicht nehmen.“ Und sie gaben sich die Hand.
Ähnliches wünsche ich mir zu Weihnachten auch für unseren Groß Glienicker „Uferstreit“, dass sich die Kontrahenten entgegenkommen, so dass sich der Gesang der Engel erfüllt: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen, die guten Willens sind.“

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Neues zur Kirchenrestaurierung

Wer das Einweihungsfest für unsere neue alte und jedenfalls wunderschön farbige Taufe am 25.9.2010 und den hochspannenden Vortrag unseres Stadtkonservators Andreas Kalesse verpasst hat, kann diesen jetzt im Internet nachlesen, hier auf dieser Seite!
Wir wollen uns aber auf unseren Lorbeeren nicht ausruhen, sondern sogleich das nächste Projekt in Angriff nehmen: die Kanzel. Sie wird zunächst konstruktiv befestigt, dann muss auch hier unter den neueren Farbschichten nach alten Fassungen und Inschriften gesucht werden. Das Unternehmen „Schatzsuche Dorfkirche Groß Glienicke“ geht also weiter.
Ein wohlhabender und wohlwollender Sponsor hat uns seine Unterstützung angeboten, aber natürlich müssen wir auch unseren Eigenbeitrag leisten. Dafür bitten wir wieder um Ihre Mithilfe. Unsere Kontoverbindung: Spendenkonto: Empfänger: Kirchenkreisverband Prignitz-Havelland-Ruppin – Konto-Nr.: 11 71 255 BLZ: 210 602 37 Ev. Darlehensgenossenschaft (EDG) – Zweck: Ev. Kirche Groß Glienicke. Außerdem werden unsere älteren Gemeindeglieder auch in diesem Jahr wieder um ein Gemeindekirchgeld gebeten, das diesmal speziell für die Restaurierung der Kanzel bestimmt sein soll.
Über die Maßnahmen im Einzelnen werden wir Sie auf dem Laufenden halten.
Mit Dank für alle Unterstützung grüße ich Sie herzlich als

Ihr Pfarrer Bernhard Schmidt

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November 2010

Thementag Südafrika

[Ein herzliches Dankeschön – auch im Namen des Berliner Missionswerkes – allen, die an unserem Thementag Südafrika am 7.11.2010 für das Center iThemba Labantu in Kapstadt gespendet haben.
Es kamen insgesamt glatte 500 Euro zusammen.]

Ablauf

Am Sonntag, den 7. November werden wir aus gegebenem Anlass einen „Thementag Südafrika“ veranstalten. Jonathan Schmidt aus unserer Gemeinde, der ein ganzes Jahr lang in Kapstadt im Center iThemba labantu gearbeitet hat, wird mit Wort und Bild von seinen Erlebnissen berichten. Unsere Konfirmanden und unser Jugendchor werden einen Gottesdienst gestalten und abends wird es mit der Jun­gen Gemeinde (JG) noch einen Filmabend geben.
Heute schon vormerken: 
Thementag Südafrika, Sonntag, 7.11.2010, ca. 15.00 bis 21.30 Uhr, Dorfkirche Groß Glienicke (genauer Ablauf s.u.)

Spannender Abschluss des Thementages Südafrika mit der Jungen Gemeinde:

Sie sind eingeladen!

Am 7.11.2010 veranstalten wir, die JG Groß Glienicke, eine movie-night in unserer Kirche. Mit dem Film "Invictus" zeigen wir Ihnen eine wahre Meilensteingeschichte, die von Nelson Mandelas Kampf gegen die Apartheit und dem politischen Wandel zu Beginn der 90er Jahre in Südafrika handelt.
Mit diesem spannenden und starbesetzten Kinohit runden wir den Südafrika-Thementag ab, der mit dem Bericht eines jungen südafrika-township-erprobten Experten beginnt und mit einem Gottesdienst weitergeführt wird.
Filmbeginn ca. 19.30 Uhr: Also kommen Sie und erleben Sie die großartige Kinoathmosphäre mit netten Leuten, Spannung und Snacks - wir erwarten Sie!
Wir empfehlen Ihnen natürlich auch die anderen vielfältigen Veranstaltungen, die wir an diesem Tag für Sie organisiert haben!

Ihre JG Groß Glienicke

Ablauf des Thementages:

15:00 Uhr: 12 Monate am Kap der Guten Hoffnung. Bericht in Wort und Bild und Gespräch
ca. 17:00 Uhr: Gemeinsames Essen – auf südafrikanisch
18:00 Uhr: Gottesdienst, gestaltet von den Hauptkonfirmanden und dem Jugendchor
19:30 Uhr: Invictus. Eine Filmvorführung unserer Jungen Gemeinde

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Oktober

Dank für Erntedank

In einer wunderschön geschmückten Kirche haben wir am 3. Oktober 2010 dem HERRN der Welt für die reiche Ernte in Natur und Geschichte in einem Brunch-Gottesdienst unter dem Motto „Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist“ gedankt.
Unser Dank gilt all denen, die etwas zum Schmecken und Sehen und Teilen beigetragen haben, insbesondere auch Karin Lohmann und Burkhard Radtke, die das Schmücken der Kirche geleitet haben.
Die um die neue Taufe herumdrapierten Erntegaben haben wir der „Suppenküche“ in Potsdam gebracht und damit große Freude ausgelöst. Chefkoch Eddi verabschiedete uns mit einem „herzlichen Dank und Gruß an die Gemeinde“.

Ihr Pfarrer Bernhard Schmidt


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September 2010

Kleiderspende am 7. und 8. September 2010

Auf anderthalb Tonnen schätzte der Fahrer des Spangenberg-Sozialwerks die Menge der abgegebenen Kleiderbeutel in Groß Glienicke. Das ist erneut eine Steigerung. Sonst hatten wir immer plus minus eine Tonne.
Also nochmals Dank allen, die sich auch in diesem Jahr wieder oder zum ersten Male an der Spangenberg-Kleidersammlung beteiligt haben, und die ihre Kleiderspenden zu den anberaumten Terminen zum Gemeindezentrum gebracht haben. Das ist ein Stück praktisches Christentum! Jeder, der teilgenommen hat, kann sich freuen: Er oder sie war nicht allein, Groß Glienicke war wieder einmal Spitzenreiter im Kirchenkreis Falkensee: 1,5 t. Und ich denke:
Das kann sich sehen und hören und vor allem anziehen lassen!

Ihr Pfarrer Bernhard Schmidt

P.S. Und Dank auch unseren Kirchenältesten, die die Kleiderspenden entgegengenommen haben.

 

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Juli 2010

Die Groß Glienicker Taufe, ein work in progress

von Pfarrer Bernhard Schmidt

In den letzten 10 Jahren ist im Inneren unserer Kirche viel geschehen, angefangen mit der Re­stau­rie­rung des Epitaphs für Hans Georg II. von Ribbeck, dann die Restaurierung sämtlicher Gemälde der Kirche, die barocke Stuckdecke, die Brautpforte, die Orgel und – vorläufig zuletzt, ermöglicht durch einen großherzigen Sponsor – die Taufe. Restaurierungen sind auch deshalb spannend, weil sie immer wieder bis dato verschüttete historische Informationen zu Tage fördern. So war es bei den beiden Altargemälden, deren Restaurierung jeweils die Namen der Künstler und das Entstehungsjahr hervorbrachte. Und so war es auch wieder bei der Restaurierung der Taufe. Bei der Zerlegung in die Einzelteile haben unsere Restauratoren Barthold und Mikszas eine alte Inschrift gefunden, die lautet: „Jacob Schulz von Sollenstein Anno 1681 außgebessert den 17 April.“ Wenn der Name auch dunkel ist, so geht aus der Inschrift immerhin hervor, dass die Taufe 1681, als Hans Georg III. von Ribbeck die „Ausbesserung“ anordnete, bereits existierte. Damit bestätigt sich ein alter – bisher nicht beweisbarer – Verdacht, dass die Taufe bereits aus der Zeit seines Vaters, Hans Georgs II. von Ribbeck (1601-1666) stammen könnte. Ob er sie 1639, anlässlich der Taufe seines Sohnes Hans Georgs III., gestiftet hat?

Im Jahr 1929 passte Otto von Wollank den Stil der Taufe dem der Kirche an. .... Die Restaurierung im Jahr 2010 brachte die Taufe wieder in die Form von 1707
1929 - 2010
2010 = 1707

 

Eine weitere Beobachtung scheint zu dieser Vermutung zu passen. Dem Potsdamer Stadtkonservator Andreas Kalesse, der unsere Kirche mit unverstelltem Blick inspizierte, sind seltene Tulpenmotive auf der Oberfläche der Taufkupa aufgefallen und wir haben gerätselt, woher diese stammen könnten. Die zur­zeit wahr­scheinlichste These lautet, dass Hans Georg II., der der so genannten „Fruchtbringen­den Ge­sellschaft“, einer Sprachgesellschaft des 17. Jahr­hunderts angehörte, die das Tulpen­motiv in ihrem Wappen trägt, sich damit verewigen wollte. Unter Hans Georg III. ist die Taufe dann „ausgebessert“ worden. Wir nehmen an, dass im Zuge dieser „Aus-bes­serung“, die offenbar nicht nur eine Reparatur, sondern eben auch eine „Besserung“ sein wollte, die so genannten durchbrochenen Zierbrettchen angebracht wurden. Nicht lange danach – wir vermuten etwa das Jahr 1707, als Eva Katharina von Ribbeck, die Witwe Hans Georgs III., das große Ribbeckepitaph aufstellen ließ – könnte die Taufe abermals verändert worden sein, indem die wunderbar naturalistischen und üppigen barocken Fruchtgehänge angebracht wurden. Und dann gibt es wieder Nachrichten aus dem Jahr 1929, als unter dem letzten Patron Otto von Wollank nicht nur die Schuke-Orgel gebaut, sondern auch die ganze Kirche – und mit ihr die Taufe („renoviert Anno Domini 1929 Bruno Gerlach Robert Haslinger Berlin“) – in ein einheitliches grau getaucht wurde, das uns heute zwar triste anmutet und irritiert. Zur Ehrenrettung Wollanks muss allerdings gesagt werden, dass dieser Maßnahme, die eher eine Renovierung als eine Restaurierung darstellte, immerhin ein einheitliches Konzept zugrundelag.

Aber ein solches gibt es auch heute! Im Einvernehmen mit der unteren und oberen Denkmalschutzbehörde hat der Gemeindekirchenrat der Evangelischen Kirchengemeinde Groß Glienicke entschieden, in den nächsten Jahren peu à peu die ursprüngliche Ribbeck-Fassung wiederherzustellen.

Wenn Sie sich an diesem großen Werk beteiligen möchten, spenden Sie zugunsten der Evangelischen Kirche Groß Glienicke (Spendenkonto: Empfänger: Kirchenkreisverband Prignitz-Havelland-Ruppin – Konto-Nr.: 11 71 255 BLZ: 210 602 37 Ev. Darlehensgenossenschaft (EDG)) oder treten Sie unserem „Förderverein Dorfkirche Groß Glienicke e. V.“ bei (Kontakt: Burkhard Radtke, Tel. 033201 / 31348).

Aber zurück zur Taufe. Wozu ist eine Taufe da? Natürlich zum Taufen. Gott sei Dank haben wir sehr viele Taufen in Groß Glienicke. Seit Beginn meiner Amtszeit im August 1999 habe ich bald 120 Taufen in unserer Kirche gezählt. Dieser „Taufboom“ war auch der Grund, weshalb der GKR der Restaurierung der Taufe zunächst den Vorzug gegeben hat.

So gibt es noch einen Grund mehr, sich in der Dorfkirche Groß Glienicke taufen zu lassen: Weil die Groß Glienicker Taufe – wie Andreas Kalesse sagt – die älteste und schönste in ganz Potsdam ist, jetzt erst recht. Na denn…

Besichtigungen der neuen alten Taufe sind möglich: Samstags von 16 bis 18 Uhr oder sonntags nach dem Gottesdienst. Anmeldungen zur Besichtigung bei Herrn Burkhard Radtke, Tel. 033201 / 31348; Anmeldungen zur Taufe bei Pfarrer Bernhard Schmidt, Tel. 033201/31247

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April 2010

Jonathan in Südafrika


Die Kindergärtnerin Nolubabalo und Jonathan

Unser Gemeindeglied Jonathan Schmidt berichtet zum zweiten Mal aus Südafrika, diesmal von einer traditionellen Stammeszeremonie und von afrikanischer Gastfreundschaft:

 

Nachdem mein erster Versuch, ins Eastern Cape zu fahren, ja unglücklicherweise gescheitert ist [ein schwerer Verkehrsunfall kam dazwischen, d. Red.], habe ich mein Glück noch einmal versucht. Diesmal auch ohne Zwischenfälle. Diese Reise war für mich eine Reise ins Herz Af­rikas, wenn auch nicht geographisch, so doch wenigstens kulturell, wenn man das so sagen kann. Das Eastern Cape ist die Heimat des Xhosa-Stammes. Fast alle Schwarzen in und um Kapstadt gehören zu diesem Stamm. Fragt man einen Xhosa, dessen Familie seit zwei oder drei Generationen in Philippi lebt, wo denn sein Zuhause sei, so antwortet er: im Eastern Cape. Es war deshalb für mich von großer Bedeutung, dieses Xhosa-Land kennenzulernen, da ich mir davon ein besseres Verständtnis der schwarzen Bewohner Kapstadts erhoffte. […] Jede Familie hat dort einen sogenannten Homestead, eine Art „Gut“ das aus einem Stück Acker­land, zwei oder drei normalen Häusern, einer Rundhütte und dem Kraal besteht. Auf der Ackerfläche bauen sie Gemüse, überwiegend Kohl und Spinat an, in den Häusern leben sie, die Rundhütten haben eine traditionelle und rituelle Bedeutung, da jede traditionelle Zeremonie in ihnen stattfindet. Der Kraal ist eine Art ummauerter Hof, in dem die Ahnen leben. Nachts wird hier das Vieh gehalten. Der Kraal und die Rundhütte sind die Plätze, zu denen die Ahnen kommen und in denen man mit seinen Vorfahren Kontakt aufnehmen und halten kann. Ich hatte das Glück, an solch einer Zeremonie teilzunehmen. Als ich dort war, wurde im Dorf eine Sangoma (eine traditionelle Heilerin/Zauberin) eingeweiht. Sämtliche Klischees über traditionelles afrikanisches Stammesleben wurden bestätigt, als ich in die Rundhütte trat, die Männer links auf einer Bank saßen, die Frauen und Kinder rechts auf der Erde und in der Mitte saß eine dicke, barbusige Frau auf der Erde, um die drei mit Perlenschleiern vermummte Leute herumtanzten, und die Frau zwischendurch mit Bierschaum vom Umqombothi (traditionelles Bier) beschmierten.

Nach und nach wurden der zukünftigen Sangoma dann Perlenketten um Arme, Beine und Hals gelegt. Die Sangoma ist nun fähig, aus Organen, Pflanzen und Knochen die individuelle Zukunft eines Klienten, oder den Grund für dessen Probleme zu le­sen. Nach der Zeremonie wurde dann gemeinsam gegessen und getrunken. Gemeinsam heißt: Ein alter Mann sprach, vor dem Kraal stehend, mit den Ahnen und bat diese um Erlaubnis, mit ihnen im Kraal zu speisen. Anschließend durften die Männer in den Kraal treten und bekamen die besten Teile eines gerade geschlachteten Schafes zu essen. Das waren vor allem der Kopf und die Innereien (die Frauen bekamen später den Rest, also Brust, Keule, Füße etc). Die Knochen wurden gesammelt. Ob diese für magische Zwecke aufbewahrt, oder den Ahnen als Mahlzeit gereicht wurden, weiß ich nicht. Anschließend wurde zusammen Umqom­bothi getrunken. Nach den Männern waren dann auch die Frauen an der Reihe. Für mich war das eine sehr interessante Erfahrung. Am Ende meiner Reise ins Eastern Cape – ich habe dor bei einer Arbeitskollegin gewohnt – wurde extra für uns Besucher ein Schaf geschlachtet. Das ist die höchste aller Ehren, die einem Gast im Xhosa-Stamm zuteil werden kann. Ich war bei der Schlachtung dabei. Es war beeindruckend, mit welcher Perfektion und Sachkundigkeit zwei Teenager das Schaf von einem blökenden Lebewesen in ein delikates Abendbrot verwandelten. Am selben Abend bestand der erste Gang aus normalem Schafsfleisch, der zweite war dann eine etwas gewöhnungsbedüftige „Eingeweidesuppe“, in der ich wohl zum ersten mal Leber, Niere und Lunge, o. ä. gegessen habe (Schafskopf hatte ich ja bereits). Eine Keule bekamen wir mit nach Hause. Die 1400 Kilometer lange Autofahrt über hatten wir sie in einer Kühltruhe, zuhause taten wir sie dann in den Kühlschrank. Am nächsten Tag durften wir die Blutlache in  eben diesem  aufwischen. Das Fleisch schmeckte aber auch zu diesem Zeitpunkt noch vorzüglich. Ich hätte erwartet, dass es mir schwerer fallen würde, ein Schaf zu essen, das mich 60 Minuten vorher noch angeguckt hat, aber es war kein Problem. Die 1400 Kilometer lange Fahrt war zwar anstrengend, aber hat sich gelohnt. Die landschaftliche Schönheit Südafrikas entgeht einem, wenn man im Flugzeug sitzt, außerem hätten wir wohl so nicht das Nashorn gesehen, das mitten in der Karoo (eine Wüste in Südafrika) einen Busch gefressen hat…

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Zum „Uferstreit“ in Groß GlienickeKundgebung am 11.04.2010

Als ich vor 11 Jahren, 1999, in meine erste Pfarrstelle nach Groß Glienicke „entsendet“ wurde und mir den Ort zum ersten Mal anschaute, da glaubte ich zu träumen: Ein idyllisches Dorf am Rande zweier Großstädte, an zwei Bade- und Angelseen gelegen, von Wäldern und Feldern umgeben, wahrlich ein kleines Paradies.

Zehn Jahre davor war das noch anders. Da teilte die Berliner Mauer den Ort, das östlich angrenzende West-Berlin war eine terra inkognita, und auch im Ort waren viele Straßen und Wege entweder nur mit Passierschein oder gar nicht zu betreten, und die Mauer versperrte den Bürgern nicht nur den Weg, sondern auch den Blick zum Groß Glienicker See. Nicht zuletzt auf Drängen des damaligen Pfarrers und einiger mutiger Bürger wurde bereits zum Heiligen Abend 1989 ein Grenzübergang nach Kladow eingerichtet. Seit dieser Zeit waren auch der See und seine Uferlandschaft für die Glienicker und ihre Besucher wieder zugänglich. Oft habe ich seitdem allein oder mit Gästen den See umrundet. Und dann habe ich mich immer gefreut, dass ich auf unserer Seite am Wasser entlanggehen konnte, wie ich mich umgekehrt geärgert habe, dass dies auf Berliner Seite nicht geht. Und ich habe gelernt, dass gerade das Seeufer und der öffentliche Weg (von der NVA seinerzeit „Handlungsstreifen“ genannt) unseren Ort als Wohn- und Ausflugsort attraktiv machen.

Doch dies könnte nun bald vorbei sein, nachdem einige Anlieger damit begonnen haben, den öffentlichen Weg vor ihrem Grundstück eigenmächtig zu sperren und Barrikaden zu errichten, die mitsamt den uniformierten Wachmännern ausgesprochen unerfreuliche Erinnerungen wecken. Ich fände es außerordentlich schade, wenn uns der einzige Vorteil, den die Mauer überhaupt hatte, nämlich dass ihr Abriss die Menschen, die 28 Jahre eingesperrt waren, mit einem freien Zugang und Blick zum See entschädigte, jetzt wieder verlorenginge. Außerdem graut mir ein wenig vor dem gepanzerten Egoismus einiger Mitbürger, denen ich als Pfarrer gern das Bibelwort zurufen möchte: „Ein jeder sehe nicht (nur) auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.“ (Philipperbrief Kapitel 2, Vers 4).

In diesem Sinne rufen wir alle Beteiligten auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Wir danken all jenen Anliegern, die über ihren berechtigten Eigeninteressen auch das Gemeinwohl im Auge behalten, und wir unterstützen das Bemühen des Oberbürgermeisters und des Ortsbeirates, im Gespräch mit den Anliegern einen Kompromiss zu erarbeiten und auch umzusetzen, der sowohl den Rechten der Eigentümer als auch den Rechten und Interessen Aller Rechnung trägt.

Im Namen des Gemeindekirchenrates Pfarrer Dr. Bernhard Schmidt

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März 2010

Unterrschlupf unterm Kirchendach

 

Nistkasten für Schleiereulen vom NABU in der Kirche von Groß Glienicke

 

Schleiereulen bekommen Unterschlupf in der GG Dorfkirche




 

 


Schleiereulen bekommen Unterschlupf in der GG Dorfkirche

 

 

Unter dem exzellent sanierten Dach des Kirchenschiffes in Groß Glienicke ist viel Platz. Anders als auf manchem Hausboden steht hier kein Gerümpel. Nur ein paar Bretter liegen auf dem Fußboden, und an der Turmseite steht das alte, ausgediente mechanische Uhrwerk der Turmuhr. Burkhard Radtke vom Gemeindekirchenrat führt die zwei Männer vom NABU mit ihrer sperrigen Kiste die schmale Stiege zum Boden hinauf. Seine Handlampe und zwei kleine Fenster im Giebel bieten spärliches, aber ausreichendes Licht.

 

So sehen die Eulen (ohne Draht) künftig aus dem Kirchenfenster

Auf eines von den Fenstern haben es die Ornithologen abgesehen. Scheiben sind sowieso nicht drin, die etwa DIN A3-große Öffnung ist nur mit Kükendraht verspannt. „Gegen Tauben und Schwalben“, sagt der Kirchenmann. Das hat sich jedenfalls bewährt, wie man am pieksauberen Dachboden ablesen kann. Doch die Ornithologen sind mit einer anderen Idee an Pfarrer Bernhard Schmidt herangetreten: Von innen wollen sie einen Brutkasten für Schleiereulen vor das Fenster setzen.

Bild: So sehen die Eulen (ohne Draht) künftig aus dem Kirchenfenster

 

 

 

 

Eine ziemlich große Kiste so ein Nistkasten für die Schleiereule

An die Bedürfnisse der Schleiereulen angepasst, haben Manfred Miethke und Burghard Sell eine Kiste aus Holz mitgebracht, fast einen Meter lang und einen halben Meter im Quadrat. An der Seite eine Einflugöffnung, 18 x 18 Zentimeter, im Inneren eine Zwischenwand, die das Licht von außen bricht.

 

 

 

 

 

Es ist der siebente Nistkasten, den die Fachgruppe Ornithologie des NABU in einer Kirche am Rande von Potsdam anbringt. „Es gibt eine Gemeinschaftsaktion der Deutschen Glockengesellschaft und des NABU, mit der die Kirchen als Lebensraum für Schleiereulen, Turmfalken, Mauersegler, Dohlen und Fledermäuse erschlossen werden sollen“, erzählt Manfred Miethke, der in Fachkreisen als „Schleiereulen-Vater“ gilt.

Der Gemeindekirchenrat hatte sich zuvor ausführlich mit dem Thema beschäftigt und dieser Aktion zugestimmt. „Gerade auch unter dem ökologischen Gesichtspunkt“, erklärt Pfarrer Bernhard Schmidt, „in der Kirche sprechen wir von der Bewahrung der Schöpfung. Dies soll also auch als ein Zeichen verstanden werden, dass sich die Kirche ihrer Verantwortung für den Naturschutz bewusst ist“.

 

Werkzeug und Material haben die Ornithologen selbst mitgebrachtZwischen abmessen, anpassen, bohren erzählt Manfred Miethke über die Schleiereulen: ein Nachtgreifvogel, mit etwa 35 cm so groß wie eine Krähe, „Kulturfolger“, das heißt, in menschlichen Siedlungsgebieten zu Hause, ernährt sich vor allem von Kleinsäugern, also Mäusen aller Art. Und dadurch, dass die Schleiereule kein Fett in ihrem Körper deponiert, braucht sie regelmäßig Nahrung. Höchstens drei, vier Tage hält sie es aus, ohne zu fressen.

 

 

Manfred Miethke (l.) und Burghard Sell erklären das Gewölle, mit dem sie den Nistkasten auspolstern wollenDa aber in der modernen Bauweise und bei Sanierungen Maueröffnungen in Kirchen und Scheunen als bevorzugter Brutplatz nicht mehr vorhanden sind, finden die gefiederten Mitbewohner in den Dörfern kaum noch Unterschlupf. In den Kirchen in Saarmund, Golm und Uetz sind bereits solche Kästen angebracht worden. In Golm sind sogar schon Schleiereulen geschlüpft. „Es ist eine Chance, diesen Vögeln wieder bessere Bedingungen zu schaffen“, sagt Manfred Miethke, wobei er auch das Grundproblem der Nahrung im Blick hat: Durch die intensiver Bewirtschaftung der Äcker wird der Lebensraum der Feldmäuse eingeschränkt, die aber die Hauptnahrungsquelle der Schleiereulen sind. Daraus ergibt sich auch ein weiterer interessanter Aspekt: Die Schleiereulen verschlingen ihre Beute und speien die Knochenreste dann, mit Rückständen der Gefiederpflege, mit dem so genannten „Gewölle“ wieder aus. Vor allem aus den Schädelknochen kann man dann auf das Vorkommen bestimmter Mäusearten in einem Gebiet von etwa drei Kilometer Umkreis schließen.

Gewölle haben die Ornithologen auch mitgebracht, natürlich ausgesammelt. Es soll im Nistkasten als Unterlage dienen, wie sie die Eulen für ihre Brut auch vorbereiten würden. Der nächste Kasten soll in der Kirche von Fahrland angebracht werden.

„Wollen wir hoffen, dass nicht nur der NABU und die Bevölkerung von Groß Glienicke, sondern vor allem die Eulen selbst diese Geste verstehen und sich eingeladen fühlen“, sagt Pfarrer Bernhard Schmidt.

 

Rainer Dyk

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März 2010

Als der neue…

… Vikar der Kirchengemeinde Groß Glienicke möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich Ihnen kurz vorzustellen:

Vikar Marco Schönbrunn

Mein Name ist Marko Schönbrunn. Ich bin gebürtiger Berliner, 34 Jahre alt, verheiratet und lebe in Prenzlauer Berg.
Mein Theologiestudium absolvierte ich an der Humboldt-Universität zu Berlin. Den ersten Teil meines Vikariats habe ich am Lise-Meitner-Gymnasium in Falkensee verbracht;
ab dem 01.März 2010 werde ich in Ihrer Gemeinde Pfarrer Dr. Bernhard Schmidt zur Seite stehen. Ich freue mich auf die bevorstehende Gemeindearbeit und auf viele neue Erfahrungen und Begegnungen.

Ich wünsche Ihnen allen Gottes Segen und hoffe, viele von Ihnen bald persönlich kennenzulernen.

Ihr Vikar Marko Schönbrunn

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Weltgebetstag aus Kamerun

Diese kamerunische Frau und Mutter wurde photographiert von Hans Knöpfli und Heidi Zingg KnöpfliAm 5. März ist es wieder soweit. Dann feiern Christen in über 170 Ländern rund um den Erdball einen Gottesdienst zum Weltgebetstag, der jährlich am ersten Freitag im März begangen wird.

Die Lieder und Gebete des Gottesdienstes kommen in jedem Jahr von Frauen eines anderen Landes - 2010 haben Frauen aus Kamerun diesen kreativ und lebendig vorbereitet. Das Thema in diesem Jahr lautet: „Alles, was Atem hat, lobe Gott!“

Kamerun wird wegen seiner ethnischen, geografischen und religiösen Vielfalt „Afrika im Kleinen“ genannt. Bedingt durch die große Nord-Süd-Ausdehnung (ca. 12oo km) stellt das Land ein Bindeglied zwischen den beiden geografischen Großregionen West- und Zentralafrika dar. Die 400 km lange Küstenlinie gewährleistet den Zugang zum Atlantischen Ozean.

Über 18 Mio. Menschen, die über 250 verschiedenen Volks- und Sprachgruppen angehören, leben in dem Land, das ein Drittel größer als Deutschland ist. Etwas über 25 % der Bevölkerung sind römisch-katholisch, ca. 25 % protestantisch und 20 % muslimisch. Auch traditionelle lokale Religionen werden gepflegt. Das Miteinander von Konfessionen und Religionen gestaltet sich friedlich.

Die Geschichte des Landes wurde nach 1884 fast ein Jahrhundert lang von Deutschen, Briten und Franzosen geprägt. 1919 kam Kamerun unter das Völkerbundsmandat, ein Fünftel des Landes wurde von den Briten und vier Fünftel von den Franzosen verwaltet. 1961 vereinigten sich nach einem Referendum die beiden Landesteile. Nach demokratischen Öffnungsbewegungen entstand eine Präsidialrepublik. Präsident ist seit 1982 Paul Biya.

Offene Konflikte sind zwar selten, aber die allgegenwärtige Korruption, wachsende soziale Ungleichheit und Staatsversagen bergen ein hohes Konfliktpotential. Etwa

40 % der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Dabei ist Kamerun reich an natürlichen Ressourcen (Erdöl, Erdgas, Eisenerz und Bauxit). 44 % der Menschen leben von der Land- und Forstwirtschaft.

42 % der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt. Die Einschulungsquote ist mit

ca.79 % hoch. Es gibt jedoch Unterschiede zwischen Stadt und Land, zwischen Regionen und der wirtschaftlichen Situation der Familien. Trotz des 1994 erlassenen Gesetzes zur Gleichbehandlung der Frau werden Frauen nach wie vor benachteiligt. Sie haben weniger Zugang zu Bildung, Eigentum und politischer Freiheit als Männer.

 

In unserem Gottesdienst in Groß Glienicke werden wir den Besuchern Kamerun in all seinen Facetten näher bringen. Freuen Sie sich auf einen bunten Gottesdienst mit viel Musik und Rhythmus, Gebeten, Anspielen und Meditationen. Im Anschluss daran laden wir Sie zum Gespräch ein und bieten einige landestypische Spezialitäten an.

Wir heißen Sie in diesem Gottesdienst herzlich willkommen. Danach werden Sie sicherlich bereichert in ihren Alltag zurückkehren.

Der Gottesdienst findet am 5. März 2010 um 18 Uhr in unserer Dorfkirche statt.

Eva Dittmann-Hachen

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Februar 2010

Eine Tankstelle für die Seele                                                                    Autobahnkirche Zeestow

Der Kirchenkreis Falkensee will das Zeestower Gotteshaus retten und zur Autobahnkirche ausbauen.

In Deutschland gibt es 32 Autobahnkirchen, doch keine am Berliner Ring. Das soll sich ändern: In Zeestow an der A 10 könnte die 33. entstehen.


Von Hiltrud Müller (MAZ)

ZEESTOW/FALKENSEE Das Konzept steht: Die Zeestower Kirche, die seit 50 Jahren verwaist ist, weil ihr die Gläubigen abhanden kamen, soll – so die Vorstellung von Pfarrer Bernhard Schmidt, Vorsitzender der Kollegialen Leitung des Kirchenkreises Falkensee – saniert und zur 33. Autobahnkirche Deutschlands ausgestaltet werden. Denn der Ende des 18. Jahrhunderts aus Ziegelmauerwerk errichtete Bau liegt nur 500 Meter Luftlinie entfernt vom Autobahnring. Damit erfüllt die Kirche eine Grundvoraussetzung, um zur Autobahnkirche ernannt zu werden: Sie muss mindestens in Ein-Kilometer-Reichweite zur Trasse liegen. Zweite Bedingung: Sie muss mindestens 80 Kilometer von der nächsten Autobahnkirche entfernt sein. Stimmt auch: Die beiden Autobahnkirche Brandenburgs liegen in Werbellin (Barnim) und Duben (Dahme-Spreewald). Dritte Bedingung: Das Gotteshaus muss völlig intakt sein. Nach einer Bestandsaufnahme durch die Potsdamer Architektin Sibylle Stich wird der Sanierungsbedarf des Zeestower Gotteshauses auf eine knappe Million Euro geschätzt. Um weiteren Schäden vorzubeugen, wurden die Dächer in diesem Jahr geschlossen. Die Kirche ist schlicht, verfügt über keinerlei kostbares Interieur und steht auch nicht unter Denkmalschutz. „So haben Architekt, Handwerker und Künstler weitgehend freie Hand“, konstatiert die promovierte Theologin Rajah Scheepers aus Berlin. Sie war vom Kirchenkreis Falkensee beauftragt worden, ein Nutzungskonzept zu entwickeln, das sie der Herbstsynode am 7.11.2009 zur Begutachtung und zum Beschluss vorlegte. Die Finanzierung soll über die Landeskirche, mit Zuschüssen vom Bund, eventuell auch mit Lottomitteln und natürlich durch die obligate Selbstbeteiligung des Kirchenkreises und der Gemeinde gesichert werden. Für die Ausgestaltung des Gotteshauses, das Reisende zur Einkehr einlädt, will man einen Künstler gewinnen. „Nicht die Hobbymalerin aus dem Nachbardorf, sondern einen wirklich bedeutsamen Gegenwartskünstler“, betont die Projektentwicklerin. So könnten auch die Kunstwerke oder besonders schön gestaltete Kirchenfenster Reisende zu einem Abstecher in die Zeestower Kirche anregen. Rajah Scheepers zeigt sich zuversichtlich, „denn es gibt doch für einen Künstler nichts Größeres als religiöse Kunst. Ihr droht kein Abriss, sie wird immer gepflegt, selbst wenn ihr Schöpfer schon hundert Jahre nicht mehr ist. Religiöse Kunst bleibt bis zum Jüngsten Tag bewahrt.“
Da die Synode den Grundsatzbeschluss gefasst hat, kann eigentlich der Bauantrag gestellt und – so die Hoffnung von Rajah Scheepers – im Jahr 2010 mit der Sanierung begonnen werden.

INTERVIEWDr. Rajah Scheepers
Im Süden stark frequentiert

Fünf Fragen an Dr. Rajah Scheepers (Foto: privat), Konzeptentwicklerin für die Autobahnkirche Zeestow, gestellt von Hiltrud Müller.

H. M.: Was weiß man eigentlich über die Resonanz, die Autobahnkirchen erfahren?
Rajah Scheepers: Im katholischen Süden werden sie stark frequentiert. Einige Autobahnkirchen registrieren bis zu einer Million Besucher im Jahr.

H. M. Wie ermittelt man das?
Rajah Scheepers: Manche zählen sie mittels Lichtschranken, die in den Kirchen installiert sind. Andere schätzen anhand der Einträge im Anliegenbuch . . .

H. M. Gästebuch des lieben Gottes?
Rajah Scheepers: Ja, könnte man so sagen. Die Menschen tragen persönliche Fürbitten ein oder ihren Dank für das, was sie als Geschenk empfinden. Wer sich auf Reisen begibt und seine gewohnte Umgebung verlässt, öffnet sich leichter neuen Eindrücken. Diesen Impuls nehmen die Autobahnkirchen auf, in der auch viele Nichtgläubige das Angebot zur inneren Einkehr nutzen. Autobahnkirchen sind Tankstellen für die Seele.

H. M. Wird die Zeestower eine evangelische Kirche bleiben?
Rajah Scheepers: Ja, aber wir schlagen eine ökumenische Nutzung vor. So könnten etwa Gläubige aller Konfessionen dort vielleicht einmal im Jahr einen gemeinsamen Autobahnsonntag feiern.

H. M. Wer wird Autobahnkirchenpfarrer?
Rajah Scheepers: Das entscheidet der Kirchenkreis Falkensee.

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Januar 2010

Ein Wort in eigener Sache

Pfarrer Bernhard Schmidt

Im zu Ende gehenden Jahr 2009 war ich 10 Jahre Pfarrer in Groß Glienicke. Ich wurde 1999 von unserer Landeskirche in die Pfarrstelle Groß Glienicke „entsendet“, nachdem im Sommer 1998 in einem so genannten Auswahlverfahren vier Pfarrerinnen und Pfarrer mit je 50% Dienstumfang in den „Entsendungsdienst“ aufgenommen worden waren. Seitdem bekleide ich die halbe Pfarrstelle in Groß Glienicke. Im Jahre 2003 bin ich vom Gemeindekirchenrat zum Pfarrer dieser Gemeinde gewählt worden. Ich habe diesen Dienst immer gern getan und – so gut ich konnte – auch mit vollem Einsatz. Und ich habe es auch genossen, nur eine Gemeinde betreuen zu dürfen. Das ist in diesen Zeiten ein seltener Luxus, übrigens nicht nur für den Pfarrer, sondern auch für die Gemeinde.

Seit April 2008 habe ich zusätzlich den Vorsitz der Kollegialen Leitung des Kirchenkreises Fal­ken­see übernommen. Damit erweiterte sich mein Gesamtstellenumfang auf 100%. Das be­deutet nicht nur viel Arbeit im Kirchenkreis, sondern auch eine häufigere Abwesenheit. Einige Ge­meinde­glie­der haben dies schon zu spüren bekommen, wenn sie z. B. mehrmals nur mit mei­nem Anrufbeantworter sprechen konnten. Trotzdem bemühe ich mich natürlich, die Dien­ste, die nur der Pfarrer tun kann, weiterhin gewissenhaft zu tun. Und auch im Kirchenkreis be­mühe ich mich um das Wohl der Gemeinden, nicht zuletzt der Groß Glienicker. Sie müssen wissen, dass wir ohne die Hilfe unseres Kirchenkreises weder unsere Kirche hätten restaurie­ren noch unser Gemeindezentrum hätten bauen können, und auch unsere Mitarbeiter sind Angestellte des Kirchenkreises.

Andererseits dürfen Sie die Rolle des Pfarrers auch nicht überschätzen. Die Gemeinde ist mehr als der Pfarrer. Ob es beispielsweise einen Chor gibt und wie viele Menschen da mit­singen aber auch was gesungen wird, hängt vor allem von Ihnen, den Gemeindegliedern ab. Fragen Sie nicht nur: Gibt es hier dieses oder jenes?, sondern gestalten Sie Ihre Gemeinde mit und beteiligen Sie sich. Der Apostel Paulus sagt: Eine Gemeinde ist wie ein Organismus, sie kann nur funktio­nieren, wenn jedes Glied seinen Dienst tut… Natürlich kann man nur das tun, was einem auch liegt, deshalb heißt es im 1. Petrusbrief: „Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfan­gen hat.“


Mit diesen aufmunternden Worten grüße ich Sie am Beginn des neuen Jahres herzlich als

 

Ihr Pfarrer Bernhard Schmidt

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