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Barocke Pracht in Ostbrandenburg: Gemeindefahrt nach Neuzelle

Der Mai war gekommen und wir hatten keine Lust, zu Hause zu bleiben. 33 gut gelaunte und erwartungsfrohe Teilnehmer aller Altersgruppen einschließlich unseres Reiseleiters Pfarrer Dr. Schmidt trafen sich um 8:30 Uhr am Gemeindezentrum. Bei schönstem Maiwetter fuhren wir mit dem Bus nach Neuzelle, das im Nordosten der Niederlausitz am Rande der Oderniederung liegt. Dort erwartete uns eine Führerin, die uns sehr kompetent die Geschichte des ehemaligen Zisterzienserklosters und die Ausstattung der Klosterkirche erklärte.

Heinrich der Erlauchte, Markgraf der Lausitz, stiftete am 12. Oktober 1268 das Kloster. In der Folgezeit entstand neben den anderen Klosterbauten eine gotische Backsteinhallenkirche mit Westturm. In der Reformationszeit blieb das Kloster trotz Anfeindungen als Einziges im weiten Umkreis bestehen. Nach dem 30jährigen Krieg wurde es mit großem Aufwand barockisiert. Ohne die gotische Hallenkirche abzubrechen, schufen böhmische Künstler einen neuen barocken Kirchenraum. Zu dieser Zeit lebten etwa 38 Mönche im Kloster, das unter dem Schutz des katholischen Herrscher-hauses der Wettiner stand. 1815 fiel Neuzelle mit der Niederlausitz an Preußen. Am 8. Februar 1817 wurde das Kloster aufgehoben und der katholischen Gemeinde zur Nutzung übergeben.

Beim Eintreten in den Kirchenraum waren wir fasziniert von der Helligkeit trotz der überwältigenden Fülle von Altären, Stuck und Malerei. Fünf große, symmetrisch angeordnete und vor die Pfeiler gestellte Altarpaare schieben sich kulissenartig hintereinander und bilden eine Prachtstraße zum Hochaltar. Für den Neuzeller Barock findet sich kein Vorbild, selbst in Böhmen nicht.

Im Osten fällt innerhalb des Klosterbereichs das Gelände steil bis auf das Niveau der Oder ab. Der mittlere Teil des um 1760 dort angelegten Barockgartens wurde 2004 rekonstruiert. Er erinnerte uns sehr an Sanssouci. Die den Garten im Norden begrenzende Orangerie war bis 2002 restauriert worden. Weitere Bauabschnitte sind geplant.

Anschließend besichtigten wir die evangelische Pfarrkirche zum Heiligen Kreuz, die direkt an der Klostermauer steht. 1354 erbaut, wurde auch sie barockisiert.

Nach so viel Kultur gab es in der Klosterklause ein deftiges Mittagessen. Das Neuzeller Schwarzbier aus der nebenan gelegenen Klosterbrauerei wurde dabei probiert und für sehr gut befunden. Auch eine Klosterbrennerei ist 1997 wieder zum Leben erweckt worden.

Frisch gestärkt fuhren wir dann in den Naturpark Schlaubetal, wo wir Zeit für eine kleine Wanderung hatten. Einige umrundeten munter den Wirchensee, während es sich andere auf der Terrasse des Waldseehotels gemütlich machten. Nachdem wir zum Abschluss alle noch ein Kaffeegedeck serviert bekommen hatten, traten wir die Heimreise an.

Unser Busfahrer lotste uns unterwegs bravourös durch die engen Gassen von Beeskow, damit wir die Pfarrkirche St. Marien, die größte Hallenkirche in Ostdeutschland, wenigstens von außen sehen konnten. Auf dem Rest der Heimfahrt wurden noch fröhlich einige Mailieder gesungen. Das Fazit aller Teilnehmer: Dieses war nur die erste Fahrt. Lasst uns eine Tradition daraus machen!

Eva Dittmann-Hachen