… „und dieses Kohr mahlen laßen“ …

Dringender Spendenaufruf für die
Restaurierung der Orgelempore der Groß Glienicker Dorfkirche

„Anno 1680. hat Herr Hanß George von Ribbeck, des H.(eiligen) Stiffts zu Brandenburg Dechand diese Kirche erweitern und also außbauen, u.(nd) die Canßell und dieses Kohr mahlen laßen.“

So zeugt die Inschrift auf der Orgelempore vom Umbau durch Hans-Georg III. von Ribbeck. Die Em­pore ist das älteste Ausstattungsstück unserer Kirche. Über 500 Jahre alt, stammt sie noch aus dem gotischen Ursprungs­bau. Lange beherbergte sie die Patronatsloge. Diese ragte in der Mitte vor, bis Hans-Georg III. von Ribbeck 1680 die Seitenteile vorziehen ließ, um Platz für die Orgel zu schaffen.

Im Jahr 1851 überließ dann der neue Kirchenpatron Heinrich Berger der Gemeinde die Empore ganz für Orgel und Chor und ließ die Patronatsloge an die Nordseite der Kirche verlegen, oberhalb der Brautpforte, von wo sie später in den Altarraum wanderte. Seit 1929 beherbergt die Empore die heutige Schuke-Orgel, die 2009 restauriert wurde.

Ob die zehn Felder der geschmückten Brüstung vor der Neufassung des 19. und 20. Jahrhunderts wie heute Bibelverse trugen, ist noch nicht bekannt. Sicher ist nur, dass es eine Farbfassung der Ribbeck-Zeit gibt und diese nicht durchgängig Grau als Grundfarbe hatte. Die alte Fassung gilt es zu eruieren, um der Kirche wie schon in Altarraum, Gestühl und Wänden ihr farbenfrohes Gepräge wiederzugeben.

Oder so dachten wir … Erste Untersuchungen 2015 ergaben indes, dass bei den früheren Umbaumaßnahmen die Traglast nicht richtig berechnet wurde. In der Folge mussten wir Stahlträger und tragende Holzelemente neu einziehen, um die Empore nutzbar zu halten. Die veranschlagten Mittel für Ertüchtigung und künstle­rische Restau­rierung konnte die Gemeinde u.a. durch Kollekten, Förderverein und Spenden darstellen, so dass die Arbeiten beginnen konnten.

Die weitere Öffnung der Fachwerkwand in diesem Jahr zeigte dann aber, dass durch die Witte­rungseinflüsse und die Drucklast von Empore und Turm die tragenden Holzschweller massiv vom Echten Hausschwamm be­fal­len sind, der sich bis in die Außenwände der Kirche zog. Dies hatten selbst die Fachleute nicht erwartet. In der Folge mussten wir die Schweller ersetzen und die Fachwerkwand neu ausmauern lassen. Das ist sehr auf­wän­dig, weil zunächst zur Lastableitung eine Hilfskonstruktion errichtet werden musste, um die Schweller austau­schen zu können. Alle befallenen Stellen mussten – teils durch Mikrowellen – auf über 80°C erhitzt werden, um den Schwamm abzutöten. Um den Wandaufbau nach­weisbar zu hal­ten, waren die alten Feldsteine genau zu erfassen und nach Austausch der Schweller in derselben Lage wieder einzubauen.

All das hat die Kosten in die Höhe schnellen lassen. Gingen wir ursprünglich nach sorgfältiger Planung von Ge­samtkosten für bauliche und künstlerische Restaurierung von etwa 140.000 Euro aus, schlagen nun allein die konstruktiven Restaurierungsmaßnahmen mit ca. 150.000 Euro zu Buche. Diese sind durch die bestehende Finanzierung gedeckt. Allerdings ist die künstlerische Restaurierung der Empore unerlässlich, um das histo­rische Ensemble zu erhalten und erlebbar zu machen. Für sie werden voraussichtlich ca. 70.000 Euro benötigt. Der Förderverein hat bereits die Zuschüsse erhöht und wir haben als Kirchgemeinde Unterstützung durch den Kirchenkreis Falkensee beantragt. Dennoch sind wir dringend auf großzügige Spenden angewiesen.

Wir rufen daher alle Groß Glienickerinnen und Groß Glienicker herzlich dazu auf, die Restaurierung nach ihren Möglichkeiten großzügig zu unter­stüt­zen, damit die Dorfkirche – die ja nicht nur Ort des Gottesdienstes ist, sondern durch Konzerte u.a. vielfältig zum Kulturleben beiträgt – in der Mitte des Dorfes bleibt und mit ihrer farbenfrohen Fassung auch künftig vom reichen kulturellen Erbe Groß Glienickes zeugt!

(Moritz Gröning)