Monatslosung März

Karfreitag und Ostern  in einem Bild

Es ist nicht so einfach in unserer bunten multimedialen Welt, mit einer Botschaft durchzudringen. Am aller meisten Aufmerksamkeit erlangen wohl besonders überraschende und provokante Beiträge und Kommentare im Internet. Das Internet ist ein Raum, der uns beinahe ständig umgibt, den wir im Bus, schnell mal am Essenstisch oder wo immer sich uns ein Zeitkorridor dafür öffnet, mühelos und unverbindlich betreten und wieder verlassen können. „Hast du schon gesehen?“, „Guck doch mal!“  … Viele Botschaften, auf die wir dort stoßen, tragen wir in unsere Alltagswelt mit hinein.

Die Kirche im Dorf ist ein ganz anderer Raum. Er ist ein Ort zur inneren Einkehr und zum Gebet.
Wir können ihn nicht jederzeit betreten und auch nicht immer so ganz unverbindlich darin herumstöbern. Aber wenn, dann findet sich für den neugierigen Betrachter doch so einiges, was bleibenden Eindruck hinterlassen kann und zum Weitersagen anregt. An zentraler Stelle steht das Kreuz, Leiden und Sterben Jesu Christi – eine provokant grausame Botschaft auf den ersten Blick. Aber wenn wir uns intensiver auf Kreuzigungsdarstellungen einlassen, wie zum Beispiel auf nebenstehendes Bild aus dem 19. Jahrhundert entdecken wir einiges, was zur Düsternis  nicht passen will:

•    das Licht, das langsam und sacht das Dunkel durchbricht;
•    die Haltung der Arme, die wie zum Segen ausgebreitet, uns zu umarmen scheinen;
•    Jesu Blick, der nicht auf die Soldaten, nicht auf die Schaulustigen oder die Stadt, sondern aufgerichtet ist. Er weist über diese Welt hinaus, in den Wirklichkeitsbereich Gottes.
•    Die Krone, aus Dornen gemacht – ein hässliches Schmerzenssymbol – umgibt ein goldener Glanz.
•    Und eine merkwürdige Aufschrift über Jesu Kopf wirkt wie eine Überschrift. INRI: Im 19. Kapitel im Johannesevangelium lesen wir, was diese vier Buchstaben bedeuten: „Jesus von Nazareth, König der Juden“, hatte Pilatus als Inschrift über Jesus anbringen lassen.

Und viele Juden haben es gelesen, denn „die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache“, so dass wirklich jeder lesen und verstehen konnte. Pilatus hatte es verstanden, mit seiner Aufschrift Aufmerksamkeit zu erlangen. Die Hohenpriester der Juden beschwerten sich nicht grundlos bei ihm. Das sei ja wohl nicht die Botschaft, die von diesem Kreuz ausgehen sollte. Im Gegenteil: Es sollte alle abschrecken, diesem Prediger des Reiches Gottes zu folgen. Pilatus aber nimmt das nicht zurück: „Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.“ Und so wird seine Aufschrift zum Christusbekenntnis.
Schon das Johannesevangelium blickt auf diese Ereignisse zurück. Es berichtet davon aus der Perspektive von Ostern her. Das älteste Fest der Christenheit, das im jährlichen Rhythmus gefeiert wurde, hat sich aus der wöchentlichen Feier der Auferstehung Christi am 1. Tag der Woche herausentwickelt. An jedem Sonntag feierte n die ersten christlichen Gemeinden und feiern wir bis heute die Auferstehung Christi und bekennen gemeinsam im Glaubensbekenntnis: „auferstanden von den Toten“. Leicht fällt dieses Bekennen zugegeben nicht, denn Tote stehen nicht wieder auf; nicht in unserer Welt. Es ist Gottes Wirklichkeit, die mit Ostern unerwartet und unbegreiflich in unsere hineingebrochen ist. Mal eben schnell, ganz nebenbei und unverbindlich erschließt sie sich uns nicht, aber auch sie umgibt uns und ist erfahrbar mitten in der oft grausamen Wirklichkeit des Sterbens und Vergehens. Das ist Grund zu österlicher Freude, Tag für Tag.

Eine gesegnete Osterzeit, wünscht Ihnen Pfarrerin Gundula Zachow