Jesus gibt uns frei

Liebe Leserinnen und Leser;
in Gesprächen mit Schulkindern zeigt sich mir immer wieder:
für die kindliche Planung ist nicht nur der Stundenplan entscheidend; auch in den Pausen passiert ganz viel Wichtiges. Und nicht nur die Zeiten der Klassenarbeiten und Klausuren haben sie im Kopf; sie wissen auch genau, wann es Ferien gibt. Sobald diese beginnen, fällt die Schulmappe in die Ecke und es wird auf „Ferienmodus“ umgeschaltet. Das ist auch gut so, denn Regeneration ist die Voraussetzung für neue Energie, Wissensdurst und Tatendrang.
Doch wir Erwachsenen und unsere größeren Kinder tun uns schwer mit dem Müßiggang. Faulenzen erzeugt in uns ein schlechtes Gewissen. Stunden und Tage, in denen wir gar nichts erledigen oder lernen, erscheinen als vertane Zeit. So erliegen wir der Versuchung, auch unsere Freizeit nahezu vollständig zu verplanen. Damit tun wir uns jedoch nichts Gutes, denn wir alle müssen auch regelmäßig einmal richtig zur Ruhe kommen, um gesund zu bleiben. Und kreative neue Ideen entstehen gern dann, wenn wir gar nicht darauf aus sind; in der richtig freien, unverplanten Zeit.
Was aus Langerweile alles Tolles entstehen kann, zeigen uns unsere Kinder.  Sie brauchen gar nicht viel, um spielend „voll beschäftigt“ zu sein. Etwas Sand und Steine, Stöckchen und Baumrinde, leere Flaschen, gern auch Pfützen und das Abenteuer ist in vollem Gange und dauert, so lange es dauert. Sie tun und lernen sehr viel, wenn sie nichts tun.
Davon erzählt auch die Kinderbuchtautor Astrid Lindgren. Wer hat nicht schon herzhaft gelacht über die fantastischen Abenteuer der wohl bekanntesten Heldin des kreativen Müßiggangs: „Pippi Langstrumpf“? Pippi geht einfach mit allem, was ihr neu begegnet, völlig unbelastet um. Neugierig erforscht sie ihre Welt mit ihren Kinderaugen auf ihre ganz eigene Weise. Wie man etwas eigentlich nennt oder benutzt, wovor man sich besser hütet und wie man sich eigentlich verhalten sollte, ist ihr nicht wichtig. Sie stellt unsere erwachsene Weltsicht, die Mode und Konvention, mit ihren verrückten Einfällen in Frage. Es reizt, es ihr in einigem gleich zu tun.
Leider ist das schlechte Gewissen bezüglich freier Zeit nur „für sich“ unter uns Christen weit verbreitet. Wir wissen uns besonders gefordert, unsere Zeit und Kraft auch für andere einzusetzen. Das ist auch unbedingt geboten. Doch auch das „für andere da Sein“ ist nicht pausenlos möglich.
Im Evangelium (Markus 6,30-34) lesen wir, wie Jesus seine Jünger, nachdem sie ihm von ihrem Wirken an den Menschen berichtet hatten, an einen einsamen Ort schickt, damit sie für sich allein sein und zur Ruhe kommen können. Er gibt ihnen frei und fordert sie zum Nichtstun auf. Und auch Jesus selbst hat sich immer wieder einmal zurückgezogen; war für andere nicht erreichbar. Das ist auch eine wichtige Botschaft der Evangelien an uns: Nach getaner Arbeit, gibt Jesus uns frei. Wir dürfen auch einmal nichts tun, den AB einschalten, genießen und Abenteuer erleben. Also: Viel Freude beim Faulenzen!
Und einen gesegneten Sommermonat August!
wünscht
Ihre Pfarrerin Gundula Zachow