Die Klosterbrüder von Lehnin


(Gundula Zachow)

Da rief er die Zwölf zu sich und machte sich daran, sie jeweils zu zweit auszusenden. Er gab ihnen Vollmacht über die unreinen Geister und wies sie an, für den Weg nichts mitzunehmen außer einem Wanderstab – kein Brot, keinen Sack für Vorräte, kein Münzgeld im Gürtel. „Zieht Sandalen an und tragt keine zwei Unterkleider übereinander.“ (Markus 6, 7-9)
So berichtet uns das Markusevangelium von der ersten Missionsreise der Jünger und dass sie sehr erfolgreich verlief.
Später in der verfassten Kirche hat der Ruf zur Umkehr zu Gott und zu einem Leben in Liebe und Einfachheit immer wieder auf viele Menschen einen großen Eindruck gemacht. So auch eine Erneuerungsbewegung, die im 12. Jh. innerhalb des Benediktinerordens ihren Anfang nahm und sich dann so kreativ und erfolgreich entwickelte, dass sie zu einer eigenen klösterlichen Organisation mit einem eigenen Gottesdienst und mönchischem Regelwerk führte. Im französischen Citaux hatte Robert von Molesmes  ein Reformkloster gegründet. Von diesem Ort ist später der Name Zisterzienser abgeleitet worden für die neue Gemeinschaft. Ihnen ging es um die Reformation der einfachen Benediktinerlebensregel: „Bete und arbeite!“.
Ihre Ordensregel verpflichtete sie dazu, bei Gründung eines neuen Klosters, eine völlig unkultivierte Gegend auszuwählen. So haben sie, von Frankreich kommend, auch im Brandenburger Land neue Gebiete erschlossen. Die Hochschätzung der handwerklichen Arbeit machte sie zu Meistern in der Urbarmachung von neuem Land, in seiner Bebauung und auf vielen handwerklichen Gebieten. Aufwendige Bauten waren ihnen durch die Ordensregel verboten und doch hinterließen sie uns eindrucksvolle Zeugnisse ihres Könnens und ihres Glaubens. Als Markgraf Otto I. von Brandenburg im Jahr 1180 in Lehnin ein Kloster gründete, berief er einen kleinen Konvent Zisterzienser Mönche dorthin. Auch ihm war die hohe Arbeitsmoral dieser Brüder bekannt und dass sie, ganz im Gegenteil zu weltlichen Mächten, untereinander einig und gut vernetzt waren. Schnell und ohne großen Verwaltungsaufwand konnten sie auf die Expertise der Brüder zurückgreifen, die anderswo in Klöstern lebten und arbeiteten. Die Mönche gingen dahin, wo sie gerade gebraucht wurden. Auf diese Weise wurden einst auch Zisterziensermönche von Lehnin aus in unseren Ort gesandt und halfen hier den ansässigen Bauern, unsere Kirche zu bauen. Sie ist 1267 im Zusammenhang mit Abgaben an das Mutterkloster Spandau erstmals urkundlich erwähnt.

Am 11. September waren wir als Gemeindegruppe mit unserem „Kirchen-Café“ in Lehnin zu Gast. Wir haben in der wunderschönen Klosterkirche Andacht gehalten und das Nachschwingen unserer Stimmen beim Singen genossen. Wir bekamen eine umfassende, interessante Führung durch die Kirche und den Kreuzgang. Und schließlich sind wir noch sehr schön im Klostercafé zu Kaffee und Kuchen eingekehrt.
Auch wenn nicht alle von uns an dieser Fahrt teilnehmen konnten, freue ich mich, dass wir diesen sonnigen Tag in froher Runde in Lehnin verbringen konnten.