Geschichte-Gemeinde

Eine christliche Gemeinde gibt es in Groß Glienicke seit dem Mittelalter. Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Groß Glienicke berichtet von der Übertragung zweier „Hufen“ an das Benediktinerinnenkloster bei Spandau durch den Markgrafen Otto III. im Jahre 1267. Nach dem Tod der letzten Nonne des Benediktinerinnen-Klosters in Spandau im Jahre 1569 trat unsere Gemeinde zur Reformation über. Seitdem gibt es die Evangelische Kirchengemeinde Groß Glienicke.

Im Jahre 1333 wurde die Glienicker Pfarre mit der Kladower „zusammen geschlagen“, wie es im damaligen Kanzleistil hieß, d. h. die Groß Glienicker Gemeinde wurde dem Pfarrsprengel Kladow einverleibt. Diese Vereinigung hatte über 600 Jahre Bestand. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Potsdamer Abkommen, bei dem die Besatzungszonen festgelegt und die Grenzen gezogen wurden, richtete die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg die 1333 aufgehobene eigene Pfarrstelle wieder ein. Sie wurde im Jahre 1947 mit Pfarrer Wilhelm Stintzing (*1914) besetzt. Stintzing baute die Gemeinde nach dem Krieg auf, sanierte die Kirche und erwarb das Pfarrhaus in der Bergstraße. Außerdem ließ er im Jahre 1953 auf der östlichen (Westberliner) Seite des Groß Glienicker Sees die "Schilfdachkapelle" erbauen, die von dem Architekten Clemens Weigel entworfen und von Bischof Otto Dibelius eingeweiht wurde.

Teilung ohne Wiedervereinigung

Denn im Ortsteil östlich des Sees, der erst nach dem Krieg West-Berlin angegliedert wurde, bestand seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts eine Wochenendsiedlung, genannt „Wochenend West“, deren Bewohner in Folge der Teilung des Ortes zunehmend von der restlichen Gemeinde abgeschnitten wurden. Mit dem Bau der Berliner Mauer im August 1961 wurde die Gemeinde endgültig getrennt. Diese Trennung besteht fort. Die evangelische Kirchengemeinde „Am Groß Glienicker See“ gehört heute zum Kirchenkreis Spandau, während die Kirchengemeinde Groß Glienicke dem Kirchenkreis Falkensee angehört.

Von 1967 bis 1998 hatte Pfarrer Dr. Hans-Christian Diedrich (1936-2008) die Pfarrstelle inne. Während seiner Amtszeit ereignete sich der Fall der Berliner Mauer - auch in Groß Glienicke. Seit 1999 bekleidet Pfarrer Dr. Bernhard Schmidt (*1962) die Groß Glienicker Pfarrstelle.

Wachstum nach dem Niedergang

Zu Fontanes Zeiten gehörten noch fast alle Ortsbewohner der Evangelischen Kirche an, wie er berichtet: Groß Glienicke hat „279 Einwohner. Darunter, wie die Nachschlagebücher gewissenhaft bemerken, zwei Katholiken. Diese werden es schwer haben, sich paritätisch zu behaupten…“ Heute sind die Christen beider Konfessionen eine Minderheit geworden und haben es schwer, sich gegen die Mehrheit der Konfessionslosen zu behaupten. Immerhin gehörten im Frühjahr 2012 wieder 860 Menschen zu unserer evangelischen Kirchengemeinde, das ist gut ein Viertel der Bevölkerung. Zwei schwere Einbrüche in der Mitgliederstatistik verzeichnet das vorige Jahrhundert: Um 1961 schrumpfte die Kirchengemeinde wegen zahlreicher Wegzüge nach dem Westen und später wegen zahlreicher Kirchenaustritte unter dem Einfluss der atheistischen Propaganda in der DDR. Den zweiten Einbruch erlebte unsere Gemeinde fatalerweise vor der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990, als binnen eines Vierteljahres allein 170 Menschen die Kirche verließen. Die meisten hatten sich wohl innerlich von der Kirche entfremdet und fürchteten nun die Zahlung und Nachzahlung der Kirchensteuer. Das war ein Aderlass, von dem sich unsere Gemeinde nur langsam erholt.

In den letzten Jahren profitiert allerdings auch die Kirchengemeinde von der sowohl landschaftlich als auch wirtschaftlich bevorzugten Lage der Kommune im so genannten Speckgürtel von Berlin. Wir verzeichnen sehr viele Zuzüge, es gibt viele Taufen und Kircheneintritte. So hat sich die Gemeindegliederzahl seit 1998, wo sie bei 430 lag, verdoppelt. Dieses Wachstum ist Gabe und Aufgabe zugleich.