Philipp

Die "Oma mit dem Fahrrad": Adelinde Philipp

Adelinde PhilippIn der Weihnachtsgeschichte ist von den Hirten die Rede, die zur Krippe liefen, um „zu sehen, was da geschehen war.“ Was wäre die Weihnachtsgeschichte ohne die Hirten, ohne die Könige, ohne all die, die kamen, als sie gerufen wurden?

Und was wäre unsere Gemeinde ohne die treuen Gemeindeglieder, die kommen, wenn die Glocken läuten? Eines von denen ist Adelinde Philipp, 1917 im bayerischen Günzburg geboren, seit 1944 in Groß Glienicke. Als sie noch jünger war, arbeitete sie als Kochgehilfin und Dienstmädchen, in der DDR wurde sie als „Textilfacharbeiter“ ausgebildet und führte noch als Rentnerin verschiedenen Familien den Haushalt. Ihre Backkünste sind legendär. Der Pfarrer ist selbst noch in den Genuss der berühmten Linzer Torte gekommen. Adelinde Philipp galt als heimliche Dorfkonditorin und Kaltmamsell für Glienicker Stammkunden.

Auch heute noch kennen sie alle. Ein Konfirmand fragte mal: „Ist das die Oma mit dem Fahrrad?“ Ja, die ist es, und zwar mit dem Fahrrad, das ihr ihre Großmutter 1930 geschenkt hatte, und mit dem sie bei Wind und Wetter, bei Sonnen- und Mondschein unterwegs ist, zum Einkaufen oder zur Sportgruppe, und mit dem sie auch zur Kirche fährt. Oft sitzt sie dann mitten drin in der vollen Kirche, bringt zum Erntedankfest selbstgeerntete Bohnen, Äpfel und Nüsse aus dem Garten mit, geht beim Kindergottesdienst, wenn die Geburtstagskinder aufgerufen werden, artig mit nach vorn. Wir waren aber auch schon einmal zu zweit in der Kirche, worauf Adelinde Philipp ihren Pfarrer tröstete mit dem Wort Jesu: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Alte Menschen werden ja oft gefragt, wie sie es gemacht haben, so alt zu werden. Allgemein gilt Psalm 31,16: „Meine Zeit steht in Gottes Händen.“ Und darüber hinaus für Adelinde Philipp: wöchentlicher Kirchgang - am besten mit Großmutters Fahrrad! - ist gut für Leib, Seele und Geist.

Pfarrer Bernhard Schmidt