Hattop

Frau HattopMit preußischem Pflichtbewusstsein: Renate Hattop

Es muss im Dezember 1999 gewesen sein. Ich bin erst seit wenigen Monaten Pfarrer in Groß Glienicke. Es ist ein Adventsnachmittag geplant. Renate Hattop dekoriert noch kurz vor Beginn den Gemein­deraum. Sie steht auf unserem großen Ausziehtisch und hängt Sterne an die Lampe. Plötzlich gibt der Tisch nach und sie stürzt herab. Sekundenlang bleibt ihr die Luft weg. Ob sie sich etwas gebrochen hat, weiß ich nicht. Zaghaft frage ich, ob wir einen Arzt rufen sollen. Sie verneint energisch. Schon überlege ich, wie ich den Nachmittag gestalten werde, bei dem ich ursprünglich nur die Andacht halten sollte. Als Berufsanfänger bin ich da ein wenig ängstlich. Aber sie holt tief Luft und sagt: „Natürlich mache ich das!“ Dieses preußische Pflichtbewusstsein und ihre absolute Zuverlässigkeit habe ich immer hoch geschätzt. Auf Renate Hattop war und ist Verlass.
Renate Hattop zog 1958 nach Groß Glienicke, wo ihr Mann, Dr. Wolfgang Hattop, im Fischereininstitut tätig war. Sie ist ausgebildete „staatlich geprüfte“ Erzieherin und hat später am Burckhardthaus ei­ne kirchliche Ausbildung zur „Kantorkatechetin“ gemacht. In dieser Doppelfunktion als Kirchenmusikerin und Katechetin war sie auch lange Jahre in Groß Glienicke und im Kirchenkreis Falkensee tätig. Mit ihrem Genex-Trabanten fuhr sie nach Fahrland, Falkenrehde, Kartzow, Falkensee, Dallgow und sogar bis nach Brieselang, um die Kinder zur Christenlehre zu sammeln. Aber so richtig zu Hause war sie immer nur in Groß Glienicke, wo sie seit 1972 auch den Kirchenchor leitete. Seit 2001 betreut sie ehrenamtlich unseren Seniorenkreis, das „Kirchen-Café“, und hält auch regelmäßig die Freitagabendandacht.
Renate Hattop hat in schwieriger Zeit die Kirchenfahne hochgehalten. Die Gemeinde hat ihr viel zu ver­danken. Sie wünscht ihr viel Kraft und Zuversicht und Gottes Geleit auch im Neuen Jahr.

Pfarrer Bernhard Schmidt