Kommt im Ruhestand nicht zur Ruhe:

Burkhard Radtke

Eigentlich würde er gern etwas kürzer treten, mehr Zeit für sich haben, seine Bücher¸ Musik, Reisen, Verwandte und Freunde. Doch obwohl Burkhard Radtke, Jahrgang 1939, schon viele Jahre im Ruhestand ist, kommt er nicht zur Ruhe. Denn unsere Gemeinde braucht ihn, den gebürtigen Groß Glienicker, der den Ort und die Kirchengemeinde wie kaum ein Zweiter kennt und zudem als jahrzehntelanger Direktor und Geschäftsführer eines großen Mineralölunternehmens seine Führungsqualitäten unter Beweis gestellt hat. Seit über 16 Jahren schon gehört er dem Gemeindekirchenrat an, seit 2007 steht er ihm vor. Außerdem ist er Vorsitzender des Fördervereins Groß Glienicker Dorfkirche, engagiertes Mitglied des Offene-Kirche-Teams und inoffizieller Ansprechpartner für Sorgen aller Art. Und seit er unlängst in Kara Hubers Bildband "Brandenburgische Dorfkirchen und ihre Hüter" porträtiert wurde, melden sich Besichtigungswillige selbst aus dem fernen München, um eine persönliche Kirchenführung mit ihm zu verabreden.

 

 

In jungen Jahren hat Burkhard Radtke viel Leid gesehen. Obwohl bei Kriegsende gerade mal fünf Jahre alt, erinnert er sich heute noch gut an die Schrecken der Zeit, die er im Gespräch nur andeutet. Besonders das Flüchtlingselend hat sich ihm eingeprägt: "Was die erlebt haben, kann man nicht beschreiben". Wegen der vielen Sterbefälle musste damals der Friedhof erweitert werden. In diesen harten Nachkriegsjahren, in denen seine Mutter ihre drei Kinder allein durchbringen musste, waren es die Kirchengemeinde, Pfarrer Stintzing, dessen Frau Ilse und die Gräfin Pestalozza, die Radtke und vielen anderen Groß Glienickern Halt und Kraft gaben.

Seine christlichen Überzeugungen haben Radtke zur DDR-Zeit keine ernsthaften Probleme bereitet, auch wenn es bisweilen nicht gern gesehen wurde, wenn er mit dem Zeichen der Jungen Gemeinde zu Unterricht und Lehre erschien. Nur einmal, als er nicht "freiwillig" zur NVA gehen wollte, wurde er eine Woche lang in die Mangel genommen - ohne Erfolg. Studieren durfte er zu seiner eigenen Überraschung später trotzdem, und im Betrieb arbeitete er sich schnell die Karriereleiter hoch. Nur eine Familie gründete er nie, dafür habe er keine Zeit gehabt. "Mein Beruf und mein Betrieb waren mein Leben", sagt er. Auch die Wende überstand er gut, obwohl er sich seither über manche Entwicklung gewundert hat.

Um die Zukunft der Kirchengemeinde ist ihm nicht bange. "Die Kirche hat Nationalsozialismus und DDR überlebt, sie wird auch weiter bestehen." Persönlich besonders am Herzen liegt ihm, anderen zu helfen und die frohe Botschaft zu verkünden.

Sonja Richter