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Icon recommendedGottesdienste in Groß Glienicke bis Ende Februar ohne Präsenz dafür mit Andachten im Online-Format

Der Gemeindekirchenrat der Evangelischen Kirchengemeinde Groß Glienicke hat in seiner Sondersitzung beschlossen, aufgrund der gegenwärtigen Situation zunächst bis einschließlich 28. Februar 2021 auf Gottesdienste in der Kirche zu verzichten.

Mit Blick auf die Entwicklungen der letzten Tage können wir es schwer verantworten, jetzt in der Kirche Gottesdienst zu feiern.

Das bedeutet aber natürlich nicht, dass wir auf Gebet und Andacht verzichten. Wie im ersten Lockdown im Frühjahr müssen wir aber andere Formen wählen: So wollen wir hier auf unserer Website Andachtstexte für die kommenden Feier- und Sonntage einstellen, teilweise mit Musik aus unserer Gemeinde. Alle, die nicht „online“ feiern können oder wollen, können die Andachtstexte auch in Papierform am Aushang an der Kirche abholen.

Unsere Entscheidung ist einschneidend und sicher enttäuschend. Wir halten sie aber im Sinne der Nächstenliebe und der Verantwortung für die am meisten Gefährdeten unter uns für notwendig.              

Der Gemeindekirchenrat 

FesttagDatumUhrzeitKollektenzweck
3. Sonntag nach Epiphanias
* Online-Andacht
24. Januar 202110.30 UhrAndachttext
 von Pfr. i. R. Kusch
Konzerte
Letzter Sonntag nach Epiphanias
* Online-Andacht
31. Januar 202110.30 UhrFamiliengottesdienst zur Jahreslosung mit Pfrn. Gundula ZachowSpielplatz
Sexagesimä * Online-Andacht07. Februar 10.30 UhrN.N.Gemeindepfarrdienst
Estomihi * Online-Andacht14. Februar10.30 UhrGottesdienst mit Pfrn. Gundula ZachowSeniorenarbeit
Invocavit * Online-Andacht21. Februar10.30 UhrGottesdienst mit Pfrn. Gundula ZachowSpielplatz
Reminiszere * Online-Andacht28. Februar10.30 UhrTaizéandacht
mit Moritz Gröning
Jugendarbeit
Oculi07. März10.30 UhrFamiliengottesdienst zum Weltgebetstag mit Pfrn. Gundula ZachowWeltgebetstag/ Land: Vanuatu
Lätare14. März10.30 UhrGottesdienst mit Pfrn. Gundula Zachow
Judika21. März10.30 UhrGottesdienst
mit Pfr. i. R. Kusch
Palmarum28. März10.30 UhrGottesdienst
mit Konfirmationen
mit Pfrn. Gundula Zachow
Karfreitag02. April10.30 UhrGottesdienst
mit Abendmahl mit
Pfrn. Gundula Zachow
Osternacht03. April23.00 UhrOsternacht
mit anschließendem Osterfeuer
mit Pfrn. Gundula Zachow
Ostersonntag04. April10.30 UhrGottesdienst mit Kindern
Quasimodogeniti11. April10.30 UhrGottesdienst mit 
Pfr. i. R. Kusch
RSSPrint

Icon recommendedOrgelvorspiel zur Andacht 2. SO. NACH EPIPHANIAS · 17.01.2021

Hochzeitsmarsch von F. Mendelssohn - Bartholdy

youtu.be/WM2TfSWVYjo ...passend zur Hochzeit von Kanaan.

Icon EventsAndacht zum 2. SO. NACH EPIPHANIAS · 17.01.2021

Wochenspruch:
Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. (Johannes 1,16)

Lasst uns Andacht feiern

Votum:

Im Namen Gottes, der am sechsten Tag den Menschen schuf zu seinem Bilde; im Namen Jesu Christi, der am sechsten Tag den Tod überwand,

im Namen der Heiligen Geistkraft, die uns die Herrlichkeit Gottes sehen, schmecken und fühlen lässt!

Icon recommendedWorte aus Psalm 105

Danket dem HERRN und ruft an seinen Namen!

Verkündigt sein Tun unter den Völkern.

Singt und spielt ihm, redet von allen seinen Wundern!

Rühmt seinen heiligen Namen!

Es freue sich das Herz derer, die Gott suchen.

Danket dem HERRN und ruft an seinen Namen!

Fragt nach Gott und seiner Macht, sucht sein Antlitz allezeit.

Er ist der HERR, unser Gott.

Er richtet in aller Welt.

Er gedenkt ewiglich an seinen Bund,

an das Wort, das er verheißen hat für tausend Geschlechter.

Danket dem HERRN und ruft an seinen Namen!

Amen.

Icon recommendedGebet

Wir haben unsere eigene Geschichte mit dir, Lebendiger!

Du hast uns bis hierher geleitet. Manchmal haben wir dich gespürt.

Oft haben wir uns aber auch gefragt: Wo bist du?

Wo bist du gerade jetzt, wo ich dich so dringend brauche?

Wenn wir ehrlich sind, liegt es jedoch oft an uns selbst,

wenn unsere Rechnung nicht aufgeht.

Wir sagen dir in unseren Herzen, welcher unserer Träume zerplatzt ist.

Wir bringen vor dich, was uns Angst macht.

Wir denken an Momente, an denen wir schuldig geworden sind und an die Menschen, denen wir wehgetan haben.

Icon recommendedGnadenzusage

Jesus ermutigt uns, das Schweigen zu brechen und Gott zu sagen, was wir brauchen, indem er sagt: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan.“ (Matthäus 7,7)

Darum lasst uns im Vertrauen auf Gottes Liebe, die uns stets umfängt,

mutig weiterträumen von einem Leben im Einklang mit unseren Mitmenschen, mit unserer Natur und mit Gott!

Icon recommendedLied: Wie schön leuchtet der Morgenstern

Icon recommendedEvangelium (und Predigttext): Johannes 2,1-11

Am dritten Tage war eine Hochzeit in Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen.

Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.

Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.

Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut.

Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße.

Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt`s dem Speisemeister!

Und sie brachten`s ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten`s, die das Wasser geschöpft hatten-, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie betrunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückbehalten.

Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. 

Icon recommendedDas Evangelium für den 2. SO. NACH EPIPHANIAS · 17.01.2021

Icon recommendedWochenlied EG 398 In dir ist Freude

Icon recommendedAnsprache zu Johannes 2,1-11

Das war das erste Wunder, das Jesus tat. Mit diesem „Zeichen offenbarte er seine Herrlichkeit“, anders gesprochen: In Jesus von Nazareth ließ Gott sich erkennen - eine seltene und unvorstellbar prägende Erfahrung. Sie verändert notwendiger Weise das Leben derer, die sie machen dürfen. Der Glaube, der auf dieser Erfahrung beruht, ist mehr als die schlichte Überzeugung, dass es eine gute göttliche Macht gibt. Solch ein Glaube beschenkt diejenigen, die ihn in sich tragen, mit dem Grundgefühl der unlösbaren Zugehörigkeit zu dieser Kraft des Lebens. Und welch ein Geschenk ist so ein Glaube! Er trägt, was immer auch kommen mag, wie es Johann Crüger (1653) im Wochenlied dieses Sonntags: „Jesu, meine Freude“ lyrisch verdichtet zum Ausdruck brachte: „Unter deinem Schirmen bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei. Lass den Satan wettern, lass die Welt erzittern, mir steht Jesus bei. Ob es jetzt gleich kracht und blitzt, ob gleich Sünd und Hölle schrecken, Jesus will mich decken.“ Denken wir daran, was uns dieser Tage belastet und Sorge macht – wie gut tut da so ein Vertrauen in Gottes Kraft und Fürsorge!

Wir können das Ereignis also kaum zu wunderbar und großartig denken, das hier so kurz und sachlich am Ende des Predigttextes in einem Vers zusammengefasst wird: „Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.“

Das erste „Zeichen“ Jesu auf der Hochzeit in Kana war, dass er Wasser in Wein verwandelte. Das liest sich viel weniger spektakulär für unseren Glauben als es im Zusammenhang des vierten Evangeliums zu stehen kommt. Johannes hat zuvor sein Evangelium eingeleitet mit dem bekannten Prolog vom Wort, das im Anfang, als die Welt erschaffen wurde, bei Gott war und in dem das Leben war. Dann trat es in die Geschichte ein: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ (Joh 1, 14) Dieses Glaubenszeugnis vom Wort erschließt sich uns als LeserInnen aber erst vom Ende des Evangeliums her. Dann sehen wir klar, dass das Osterereignis die Mitte der frohen Botschaft ist. Das „johannäische“ Wort der Schöpfung und das Mensch gewordene Wort sind also derselbe, der um unserer Schuld willen den Kreuzestod erleidet und aufersteht. Unser Erlöser, Jesus, der Christus, Gottes Sohn, ist das Leben, das unser Schuldgefängnis und den Tod überwunden hat. Das ist für den Evangelisten das wesentliche Ereignis, auf dem alle Glaubenshoffnung beruht. Seit Christi Auferstehung leben wir im Horizont des kommenden Gottesreichs, in dem wir vereint und versöhnt mit Gott und mit Gottes Schöpfung sein werden. Ein beliebtes biblisches Bild für dieses zukünftige Leben ist das vom himmlischen Gastmahl. Braut und Bräutigam stehen zudem an vielen Stellen für den Bund zwischen Gott und seinem Volk. Der Wein aber ist von alters her Sinnbild der Lebensfreude und als solcher auf jedem Fest des Bundes nicht wegzudenken. Kein Sabbat ohne Wein und erst Recht kein Passahfest. Sogar die ganze Familie mitsamt den Kindern soll diese Lebensfreude erfahren, die der Wein uns schmecken lässt. Für uns, denen das Kreuz zum Zeichen des Lebens geworden ist, sind die Elemente des Lebens und der Freude mit Jesu Liebe verbunden. „Jesu, meine Freude!“ In Brot und Wein beim Abendmahl schenkt er sich uns selbst und ist mitten unter uns, wenn wir feiern. Bei seinem Mahl sind wir zu Gast, auf dass wir uns stärken und neue Lebensfreude erlangen. Ja, es ist wichtig, dass wir Freude am Leben haben.

Was unsere Lebensfreude stärkt, sollte uns so wertvoll sein wie unsere Gesundheit oder wirtschaftliche Sorglosigkeit. So verstehe ich diese Wundergeschichte, in der Gott selbst erscheint als schenkender Gast: Gott will, dass wir unser Leben aus vollen Zügen genießen können. Er unterstützt uns in dem, was unsere Lebensfreude stärkt. Natürlich ist unser Leben nicht ein einziges Fest, weiß Gott! Vielerlei Sorge, Not, Krankheit, Überforderung belasten uns. Trotz alledem aber sind wir nicht ohne Hoffnung im Glauben, dass wir durch Jesu Liebe versöhnt sein werden mit Gott und Gottes Schöpfung. Schon jetzt gehören wir zu ihm, der selbst das Leben ist.  „Von seiner Fülle haben wir genommen Gnade um Gnade.“ (Joh 1,16) So gibt es uns der Spruch für die neue Woche mit auf den Weg. Das möge Gott uns persönlich erkennen lassen und uns den Glauben schenken, der trägt. Amen.

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Icon recommendedLied: Jesu, meine Freude (EG 396, 1-2)

Unter deinem Schirmen

bin ich vor den Stürmen

aller Feinde frei.

Lass den Satan wettern,

lass die Welt erzittern,

mir steht Jesus bei.

Ob es jetzt gleich kracht und blitzt,

ob gleich Sünd und Hölle schrecken,

Jesus will mich decken.

Icon recommendedFürbitten

Wunderbarer Gott, Licht unseres Lebens:

Traurige und Unbeschwerte bitten dich,

Kranke und Gesunde,

Zweifelnde und Hoffnungsvolle,

du weißt, wozu wir heute selbst gehören. 

Der du der Grund unseres Lebens bist

und das tragende Fundament

und das Ziel, für das dein Sohn uns zum Weg geworden ist,

wir bitten dich um deinen Segen:

für unsere Gemeinde,

für unsere Partnergemeinden der Nilsynode

für deine freie und verfolgte Kirche in der ganzen Welt,

für uns in Groß Glienicke und Potsdam und Berlin,

für die Familien und die Einzelnen.

Segne die begonnene Woche.

Lass uns jeden Tag fröhlich aus deiner Hand nehmen

und, wenn wir nicht fröhlich sein können, dein Licht neu entdecken,

nach deinem Willen fragen

und deiner Verheißung trauen.

Mit den Worten deines Sohnes beten wir:

Vater unser

Icon recommendedSegen

Der HERR segne dich und er behüte dich;

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;

Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

Icon EventsAndacht zum 1. Sonntag nach Epiphanias / 10. Januar 2021

Pfarrerin Gundula Zachow 

Wochenspruch (Römer 8,14): Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. 

Lasst uns diese Andacht feiern:

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Icon recommendedGebet

Noch brennen die Lichter der Weihnachtszeit in unseren Stuben,

in unseren Fenstern;

die Friedenssehnsucht in uns ist noch wach;

ein neues Jahr begann.

Gott Immanuel, segne uns dieses Jahr,

durch das wir gehen.

Führe uns an deiner Hand. Amen.

Icon recommendedAus Psalm 89

Ich will singen von der Gnade des HERRN ewiglich

und seine Treue verkünden mit meinem Munde für und für;

denn ich sage: Auf ewig steht die Gnade fest;

du gibst deiner Treue sicheren Grund im Himmel.

„Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Auserwählten,

ich habe David, meinem Knechte, geschworen:

Ich will deinem Geschlecht festen Grund geben auf ewig

und deinen Thron bauen für und für.

Er wird mich nennen: Du bist mein Vater,

mein Gott und der Hort meines Heils.

Und ich will ihn zum erstgeborenen Sohn machen,

zum Höchsten unter den Königen auf Erden.

Ich will ihm ewiglich bewahren meine Gnade,

und mein Bund soll ihm fest bleiben.

Ich will ihm ewiglich Nachkommen geben

und seinen Thron erhalten, solange der Himmel währt.“

 

Icon recommendedEpistel (und Predigttext) Römer 12, 1-8

Ich ermahne euch, Brüder und Schwestern,

durch die Barmherzigkeit Gottes,

dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei.

Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.

Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes,

auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch,

dass niemand mehr von sich halte, als sich`s gebührt, sondern dass er maßvoll von sich halte,

wie Gott einem jeden zugeteilt hat das Maß des Glaubens.

Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben,

so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des andern Glied.

Wir haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist.

Hat jemand prophetische Rede, so übe er sie dem Glauben gemäß.

Hat jemand ein Amt, so versehe er dies Amt.

Ist jemand Lehrer, so lehre er.

Wer gibt, gebe mit lauterem Sinn.

Wer leitet, tue es mit Eifer.

Wer Barmherzigkeit übt, tue es mit Freude.

Icon recommendedPredigt zu Römer 12, 1-8

Ermahnungen, wie nett! Nun nach den neuesten Richtlinien im Umgang mit dem Corona-Virus bekommen wir auch noch die aktuellen Richtlinien für ein christliches Leben vorgelegt?

„Erkenne Gottes Willen und tue das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene!“

Das hört sich gut an, aber was ist Gottes Wille in Bezug auf die Probleme, die ich in der Welt sehe oder auch ganz persönlich habe? Was ist das Gute, Wohlgefällige, Vollkommene? An welchen Punkten sollte ich mich in die Gesellschaft und in mein persönliches Umfeld einfügen und wo ist es für mich als Christin geboten, aufzubegehren und gegen den Strom zu schwimmen?

Das ist doch gerade die große Herausforderung an uns, den Willen Gottes zu erkennen in Bezug auf aktuelle Probleme. Wenn wir mit ethischen Forderungen zu leichtherzig umgehen, kann es leicht geschehen, dass im Namen Gottes Menschen an Menschen großes Unrecht tun. Wie schnell wird der Zeigefinger erhoben, werden Menschen moralisch verurteilt, weil sie uns nicht ins Bild passen. Wer sich besonders fühlt, grenzt oft auch andere aus. Das ist die große Gefahr am christlichen Selbstbewusstsein. Andererseits brauchen wir ein christliches Selbstbewusstsein, sonst ist unser Glaube kraftlos und trägt nichts aus.

Darum ist es auch Paulus in diesem letzten Teil des Römerbriefes gegangen. Er wollte zeigen, dass seine Theologie von Kreuz und Auferstehung eine konkrete Lebenseinstellung hervorbringt, die im Alltag aller Christenmenschen Wirkung zeigt.

Wie das aussehen kann, versuchen auch wir mit jedem Gottesdienst, jeder Andacht etc. aufzuzeigen, wenn wir die biblische Botschaft mit unserem Leben heute in Verbindung bringen und fragen: Was heißt es, Christsein heute zu leben?

Dabei vermissen viele Menschen in unserer so komplexen Welt eine konkrete Übersetzungshilfe: Wie sieht Gottes Wille aus? Dem Bedürfnis nach klaren Richtlinien zum Christsein tragen Kirchen zum Teil damit Rechnung, dass in ihnen Bibelworte wie dieses hier zitiert und, dem jeweiligen gesellschaftlichen Geist gemäß, in verbindliche Verhaltensregeln für uns alle heute übersetzt werden. Sie sind nicht selten schon auf Homepages, in Gemeindebriefen und natürlich in den Predigten eine Art Profilvorgabe für die Gemeinden. Etwa sinngemäß so: Wir hier sind gute Nachfolger Christi, was du daran sehen kannst, dass wir dir ganz viel Unterstützung geben in deinem Alltag. Wir kommen alle gut miteinander aus und sorgen füreinander. Auch du bist bei uns herzlich willkommen. Im „Kleingedruckten“, wenn es das ehrlicher Weise gäbe, könnten wir dann lesen: „Aber du wirst doch wohl nicht als Frau eine Frau lieben oder alternativ leben?!“ Ein starkes christliches Selbstbewusstsein geht leider oft mit Ausgrenzungen gegenüber Andersdenkenden einher. Wenn wir differenzierter urteilen, sind wir auch zurückhaltender, aber dann können wir wenig allgemein Verbindliches sagen. Ein Dilemma! Ich frage mich: Warum fällt es uns heute so schwer, den Willen Gottes klar zu erkennen?

Wenn ich über den Predigttext nachsinne, fällt mir eines besonders auf: Die ständige Rückbeziehung auf Gottes Handeln. Alles menschliche Erkennen und Handeln wurzelt in Gottes Tun. Wie sehr halten wir vergleichsweise Gott aus unserem Denken heraus! Darum überlesen wir diese Aussagen des Paulus leicht. Der Apostel ermahnt „durch die Barmherzigkeit Gottes“. Er spricht „durch die Gnade Gottes, die ihm gegeben ist“, wenn er auf das Problem christlicher Überheblichkeit hinweist. Er preist die persönlichen Gaben der Einzelnen, durch welche die Gemeinde ein Ganzes ergibt. Sie sind uns gegeben „nach der Gnade Gottes“. Nicht über diese Gottesgabe hinaus müssen oder sollen wir einander dienen, sondern jeweils mit dieser Gabe, die wir besitzen durch „Gottes Gnade“, denn so erfüllen wir Gottes Willen. Wenn wir die Bezüge des Paulus auf Gott nicht als Floskel, sondern inhaltlich ernst nehmen, eröffnet sich uns die Sicht des Glaubens: Wir sind, weil Gott uns geschaffen hat. Wir leben aus seiner Gnade. Gott haben wir zu verdanken, dass wir so gut denken, übersetzen, malen, kochen, musizieren … können. Wir sind mit unserem Leben verwiesen auf die Menschen, mit denen wir leben, im Horizont von Gottes Schöpfermacht. Dieses Weltbild war für Paulus Denken grundlegend: Die Welt, wie sie uns umgibt, ist immer nur ein Durchgangsstadium, das überwunden und abgelöst wird von der Welt, die Gott neu schafft. Auf diese neue, wahre Welt zielt unser Leben, zielen unsere Bemühungen, Gottes Willen zu erkennen und dem gemäß zu handeln. Wenn wir selbstbewusst tun, was wir gut können, ohne andere mit ihren Gaben auszugrenzen, dann baut Gott durch uns an der neuen Welt. Unsere Sehnsucht kennt diese Welt als den Traum von umfassendem Frieden und Gerechtigkeit für alle. In der Welt, die uns umgibt, leuchtet sie hier und da schon auf, aber Ungerechtigkeit und Krieg sind allgegenwärtig. So müssen auch wir immer wieder neu für uns erkennen, was Gottes Wille ist in Bezug auf unsere heutigen Probleme. Dazu brauchen wir, ganz genau wie die Römer damals, die „Erneuerung unseres Sinnes“. (griech.: nous: „Sinn“ hier im Sinne von Vernunft, von Denken gemeint.) Es ist die christliche Lebenseinstellung, die sich daran orientiert, wie Gott sich uns gegenüber zeigt, denn genau darin besteht aus Sicht des Paulus der „vernünftige Gottesdienst“. Paulus spricht von Gottes Haltung uns gegenüber als Barmherzigkeit, Gnade oder auch Liebe. Diesem göttlichen Verhalten nachzueifern in Beziehung zu Gott und zu den Menschen ist christliche Lebenshaltung. Paulus lädt die römischen Christen dazu ein, sich der Gnade Gottes, die sie an sich erfahren, immer wieder neu bewusst zu werden und ihr nachzueifern. Das ist keine leichte und auf keinen Fall einmalige Aufgabe, sondern eine wirklich all-tägliche Mühe. Dazu ermutigt Paulus in seinen sogenannten „Ermahnungen“. Parakalo (griech.) so heißt das erste Wort in unserem Text – quasi die Überschrift. Parakalo- „ich ermahne euch“ heißt auch: ich ermuntere euch, ich bitte euch, ich lade euch ein oder ich bestärke euch. Wir können es auch mit „ich tröste euch“ übersetzen. Das finde ich jedenfalls eine gute Überschrift, weil es mich tatsächlich tröstet, dass ich meine Gaben (die mir Gott geschenkt hat) nutzen darf und soll, aber darüber hinaus auf die Gemeinschaft vertrauen darf, denn „untereinander ist einer des andern Glied“ und zusammen sind wir Leib Christi, Gottes Kinder (wie es im anderen Pauluswort im Wochenspruch heißt), alle – ohne „Kleingedrucktes“, weil wir sind, wie wir sind, aus Gottes Gnade. Amen.

Icon recommendedFürbittengebet

Unser Gott,

du rufst uns zusammen durch die Taufe zu einer Gemeinde;

Menschen mit unterschiedlichen Gaben.

Hilf uns dabei, unsere Gaben zu entdecken;

sie als Geschenk deiner Gnade wertzuschätzen und zu nutzen, zu unserm Wohl und zum Wohle aller.

Schenk uns Ideen, wie wir unsere Verbundenheit zueinander ausdrücken und leben können,

dieser Tage unter erschwerten Bedingungen.

Gib uns auch den Mut, unsere Ideen umzusetzen.

 

Du schenkst uns deinen Geist, damit wir deinen Willen erkennen können.

Lass Verstand und Sinne wachsam bleiben und unser Herz weich,

damit wir den Moment erkennen, an dem es heißt, gegen den Strom zu schwimmen.

 

Die Welt, die uns so laut umgibt; ist nicht die Welt, die du durch uns erschaffst.

Lass uns nicht vergessen, dass du bei uns bist auch am Ende dieses Lebens und über den Tod hinaus.

Wir vertrauen dir all jene an, von denen wir Abschied nehmen mussten und bitten:

Tröste alle in unserer Gemeinschaft, die um einen Menschen trauern.

Stärke in uns die Gewissheit, dass nichts, was wir erleben und erleiden, bei dir vergessen ist.

 

Was uns in dieser vergangenen Woche persönlich besonders beschäftigt hat, bringen wir nun in eigenen Worten oder in der Stille vor dich.

 

Und was es darüber hinaus zu bitten gilt, fassen wir zusammen mit den Worten deines Sohnes:

 

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name,

dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Icon recommendedSegensbitte (in Anlehnung an D. Sölle)

Gott segne uns und behüte uns;

sein Licht scheine in unsere Herzen;

wir sind das Licht der Welt;

geht hin, Frieden zu schaffen.

Icon PortraitTaizé-Andacht vom Sonntag, 3. Januar 2020

„Wenn du den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst,
dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen.“
(Tageslosung, Jes. 58, 10)

 

Taizé-Andacht
am Sonntag, dem 3. Januar 2020,
dieses Mal leider nicht
in der Dorfkirche Groß Glienicke

 

 

aber als Leseandacht mit Links zur Musik!

Icon recommendedBegrüßung

Wir möchten Sie herzlich zu unserer heutigen Taizé-Andacht einladen, diesmal nicht in der Dorfkirche Groß Glienicke, sondern bei uns allen zuhause. Wenngleich Gottesdienste nicht offiziell verboten sind, hat der Gemeindekirchenrat angesichts der anhaltend hohen Covid-Fallzahlen beschlossen, zunächst von Präsenzgottesdiensten abzusehen. Daher nun auf diesem Wege.

Im Folgenden finden Sie alle Texte, die wir an diesem Sonntag in der Kirche sprechen wollten, und ebenso alle Lieder – verlinkt, so dass Sie hineinhören können. Lesen und hören und singen Sie mit! Soweit kein besonderer Link angegeben ist, finden Sie die Lieder auf www.kirche-gross-glienicke.de

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Icon recommendedLied: Laudate omnes gentes (EG 789.1)

Lobsingt, ihr Völker alle, lobsingt und preist den HERRn. / 

Lobsingt, ihr Völker alle, lobsingt und preist den HERRn.

 

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Icon recommendedWochenspruch

Der Wochenspruch steht bei Johannes (1, 14b) und lautet:    
Und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Icon recommendedPsalm 100

Der Wochenpsalm, ein Psalm zum Dankopfer, hat in der Kirche schon vor Jahrhunderten Eingang in das Lob Gottes gefunden. Wir beten ihn gemeinsam. Wenn Sie zu mehreren sind, können Sie ihn laut im Wechsel beten.

Als Kehrvers antworten wir mit dem „Halleluja“. Im Rahmen dieser Leseandacht haben Sie die Auswahl zwischen zwei Varianten, einem gegorianischen Halleluja oder einer Fassung aus Taizé, beide eingespielt hier auf unserer Website.

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(Graduale Romanum, Vatikan 1908, Sonntag infra Epiphaniam)

 

 

Icon recommendedAuswahl: gegorianisches Halleluja oder Fassung aus Taizé

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1 Jauchzet dem HERRN, alle Welt!
2 Dienet dem HERRN mit Freuden,

kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken!

Kehrvers: Halleluja

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3 Erkennet, dass der HERR Gott ist!

Er hat uns gemacht und nicht wir selbst
zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.

Kehrvers: Halleluja

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4 Gehet zu seinen Toren ein mit Danken,

zu seinen Vorhöfen mit Loben;

danket ihm,

lobet seinen Namen!

Kehrvers: Halleluja

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5 Denn der HERR ist freundlich,

und seine Gnade währet ewig
und seine Wahrheit für und für.

Kehrvers: Halleluja

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Icon recommendedLesung

Die Lesung für den heutige Sonntag finden wir im Buch Jesaja:

Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen; zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und einen Tag der Rache unsres Gottes, zu trösten alle Trauernden, zu schaffen den Trauernden zu Zion, dass ihnen Schmuck statt Asche, Freudenöl statt Trauer, schöne Kleider statt eines betrübten Geistes gegeben werden, dass sie genannt werden »Bäume der Gerechtigkeit«, »Pflanzung des Herrn«, ihm zum Preise. Sie werden die alten Trümmer wieder aufbauen und, was vorzeiten zerstört worden ist, wieder aufrichten; sie werden die verwüsteten Städte erneuern, die von Geschlecht zu Geschlecht zerstört gelegen haben.

Fremde werden hintreten und eure Herden weiden, und Ausländer werden eure Ackerleute und Weingärtner sein. Ihr aber sollt Priester des Herrn heißen, und man wird euch Diener unsres Gottes nennen. Ihr werdet der Völker Güter essen und euch ihrer Herrlichkeit rühmen. Dafür, dass ihr doppelte Schmach trugt, und für die Schande sollen sie über ihren Anteil fröhlich sein. Denn sie sollen das Doppelte besitzen in ihrem Lande. Sie sollen ewige Freude haben. Denn ich bin der Herr, der das Recht liebt und Raub und Unrecht hasst; ich will ihnen den Lohn in Treue geben und einen ewigen Bund mit ihnen schließen. Und man soll ihr Geschlecht kennen unter den Völkern und ihre Nachkommen unter den Nationen, dass, wer sie sehen wird, erkennen soll, dass sie ein Geschlecht sind, gesegnet vom Herrn.

Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt. Denn gleichwie Gewächs aus der Erde wächst und Same im Garten aufgeht, so lässt Gott der Herr Gerechtigkeit aufgehen und Ruhm vor allen Völkern.“ (Jes. 61, 1-11)

 

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Icon recommendedLied: Bless the Lord (Taizé)

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Wir hören im Evangelium nach Lukas (2, V. 41-52), wie Jesus mit seinen Eltern zum Tempel nach Jerusalem gezogen ist, die einzige Geschichte, die uns aus Jesu Jugend überliefert ist:

Und seine Eltern gingen alle Jahre nach Jerusalem zum Passafest. Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf nach dem Brauch des Festes. Und als die Tage vorüber waren und sie wieder nach Hause gingen, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem, und seine Eltern wussten‘s nicht. Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wieder nach Jerusalem und suchten ihn. Und es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte. Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten. Und als sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist? Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte. Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen gehorsam. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.

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Icon recommendedLied: Oculi nostri ad Dominum Deum (EG 789.5)

„Unsere Augen seh’n stets auf den Herren, / 

unsere Augen seh’n stets auf den Herren.“

 

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Icon PortraitLeseandacht zum Altjahresabend

Spruch des Tages (Psalm 31, 16a):

Meine Zeit steht in deinen Händen

Ein segensreiches neues Jahr!

wünscht Ihnen Ihre Evangelische Kirchengemeinde

Groß Glienicke 

 

Michelle Klose (Diakonin) und Gundula Zachow (Pfarrerin)

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Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende. Wir wollen diesen letzten Tag nutzen und eine Andacht feiern, um dann mit viel Hoffnung in das neue Jahr zu starten. 

Ich erinnere uns an die Worte Dietrich Bonhoeffers: Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr. 

Mit diesem Zuspruch, dass Gottes gute Mächte uns auch beim Jahreswechsel begleiten und für uns da sind, feiern wir diese Andacht im Namen Gottes, Ursprung und Ziel des Lebens, im Namen Jesu Christi, Grund der Liebe, im Namen der Heiligen Geisteskraft, Fülle des Lebens.

Amen 

Icon recommendedLied: Von guten Mächten treu und still umgeben

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.

Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Icon recommendedPredigttext: 2Mose 13, 20-22

„So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste.

Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen,

und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten.

Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.“

Angedachtes zum Predigttext

So hatte das Volk der Hebräer sich aufgemacht in ein neues Leben. Das Alte in Ägypten lag hinter ihnen; sie hatten es hinter sich gelassen, als sie das Schilfmeer durchquerten. Nun waren sie frei, aber heimat- und schutzlos.

Für die Nacht hatten sie ihr Lager aufgeschlagen bei Sukkot und am anderen Morgen die ungesäuerten Mazzen gegessen, die sie so eilig vor dem Aufbruch noch gebacken hatten. So begann das neue Leben, mit dieser Wegzehrung aus ungesäuerten Broten.

In der biblischen Rezeptionsgeschichte vielfach zitiert, im jüdischen Selbstbewusstsein tief verankert, jedes Jahr als Fest der ungesäuerten Brote gefeiert, ist dieser Aufbruch eine Grunderfahrung des Glaubens bis heute. Dieser Morgen stellt eine Zäsur dar, obwohl nüchtern betrachtet gar nichts Entscheidendes geschah. Die wunderbare Rettung vor Pharaos Heer am Schilfmeer lag hinter Moses Volk. Nun folgte ein Morgen auf den Abend im Nachtlager, so wie immer wieder ein Morgen die Nacht ablöst.

Die nächtlichen Gedanken werden noch nicht verflogen gewesen sein. „Entkommen sind wir, aber wie geht es nun weiter?“, mussten sie sich fragen. Das Ziel dieser waghalsigen Reise war wenig konkret und der Weg dorthin sehr schwierig und beschwerlich; kaum vorstellbar, dass sie ihn unbeschadet gehen würden. Und dennoch führte Mose sein Volk durch die Wüste. Am Berge Sinai offenbarte sich ihnen der HERR und machte ihnen seinen Willen kund. So wurden sie zu Gottes Bundesvolk. Die 10 Gebote, Gottes Gabe, ist grundlegend für das Selbstverständnis des Gottesvolkes und für unsere christliche Wertvorstellung. Durch Gottes Gesetz, das nicht zuerst in Stein gemeißelt in der Bundeslade lag, sondern den Glaubenden ins Herz geschrieben steht, waren die Wüstenwanderer mit Gott verbunden – einem Gott, der sich als allwissend, allmächtig und ewig offenbarte. Weder räumlich noch zeitlich ist dieser Gott greifbar, weil er in seinem Dasein alle unsere Dimensionen übersteigt. ER kann nicht lokalisiert werden wie andere Götzen. ER wohnte nicht auf dem heiligen Berg und auch nicht in der Stiftshütte oder später im Tempel. Das war unmöglich für den „Schöpfer Himmels und der Erden“. Und doch ist die Bibel voller Beispiele für Gottes Gegenwart und auch unser Predigttext für diesen Silvesterabend handelt von ihr. Als „Geist Gottes“, durch seine Engel oder im „Glanz seiner Herrlichkeit“ ist Gott auf Erden gegenwärtig. Wilde Wetter, Wolken oder Feuer waren den Alten Zeichen für eine solche göttliche Gegenwart. Eingehüllt in Wolken- und Feuersäule ging Gott seinem Wüstenvolk voran. Die gefahrvolle Reise wurde ihnen zum entscheidenden Wendepunkt in ihrer Geschichte: durch diese erfahrene Gottesnähe. 

Ich weiß nicht, liebe Leserinnen und Leser, inwiefern Sie den heutigen Abend als einen Wendepunkt empfinden. Silvester stellt nüchtern betrachtet ja nur einen kalendarischen Wechsel dar. Auf den heutigen 31. Dezember 2020 wird der 1. Januar 2021 folgen. Entscheidende Ereignisse wird der neue Morgen für die Mehrzahl von uns nicht bringen. Der Winter bleibt uns erhalten und mit ihm die vielen Corona-Neuinfektionen und die Kontakteinschränkungen.

Die nächtlichen Gedanken des Jahresendes werden wir über Nacht nicht los. Und doch kann der neue Morgen ein Aufbruch für uns sein. Wir tun gut daran, ihn mit einer guten Stärkung zu beginnen. Lassen wir uns dazu leiten von der Geschichte des Aufbruchs aus dem 2. Mosebuch, in die viele Generationen uns ein großes Zeugnis ihres Glaubens hineingelegt haben – ihres Glaubens an den Einen Gott, der in seiner Allwissenheit, Allmacht und Ewigkeit alle unsere Dimensionen überschreitet und so in unserem Denken nicht dingfest gemacht werden kann und der uns dennoch bewahrend und leitend begleitet. Seine göttliche Gegenwart auf unseren Lebenswegen ist uns oft verhüllt. Wir erkennen sie erst im Nachhinein, darum ist der persönliche Rückblick heute wichtig!

Fragen wir uns: Wo bin ich / sind wir im zu Ende gehenden Jahr bewahrt geblieben und gerettet worden? Wo hat unsere Arbeit und Mühe Früchte getragen; haben wir glückliche Stunden erlebt? Da zeigt sich uns Gottes segensreiche Gegenwart. Lassen Sie uns dankbar darauf schauen und aus dieser Erfahrung Wegzehrung schöpfen für die neue Etappe. Die biblische Geschichte vom Aufbruch in die Wüste will uns dazu Mut machen, Altes hinter uns zu lassen und Aufbrüche zu wagen. Von unserer Zukunft haben wir immer nur ein vages Bild und die Sorge, dass der Weg uns womöglich zu schwer werden möge, hegen wohl viele von uns im Herzen. Darum lassen Sie uns einander gegenseitig erinnern: Unser Gott, der Eine, ist ein Gott, der mitgeht und gerade auch durch Wüstenzeiten. Darauf können wir vertrauen. ER segne uns auch das, was nun vor uns liegt im neuen Jahr 2021! Amen. 

Letzte Änderung am: 19.01.2021